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Bremervörde ohne Wehr schutzlos?

Bremervörde. Es kommt nicht allzu häufig vor, dass die Mitglieder des Bremervörder Stadtrates in wichtigen Fragen eine einheitliche Position vertreten. Am Dienstag war es jedoch der Fall: Alle Fraktionen sehen die Zukunft des Oste-Wehrs mit Sorge.

Klein-Helgoland unter Wasser: Diese Situation beim Hochwasserdrama im Januar 2008 könnte sich wiederholen, wenn das Ostewehr die Stauhöhe nicht mehr reguliert. Der Stadtrat ist sich einig darin, dass ein Rückbau nicht erfolgen darf. Foto: Archiv

Wie berichtet, denkt das niedersächsische Umweltministerium über einen Rückbau nach. Die Folgen für Bremervörde wären schlimm und unannehmbar, war der Tenor der Wortmeldungen im Rat dazu. Der Grünen-Abgeordnete Rolf Hüchting hatte dafür gesorgt, dass das Thema auf die Tagesordnung der Ratssitzung kam. Ein Um- oder Abbau des Wehres, wie es Landwirte fordern, um ihre Flächen besser bewirtschaften zu können, dürfe nicht geschehen, sagte er. Die Folge seien erhebliche Auswirkungen auf Umwelt und Natur, die Oste werde an Wert für den Tourismus einbüßen.

Damit nicht genug: Die Vertreter aller Fraktionen teilten die Bedenken und führten auch den Aspekt des Hochwasserschutzes an. „Es könnte sein, dass im schlimmsten Fall die Kaimauer im Hafen nicht ausreicht“, befürchtete Reinhold Becker (CDU). Eine Möglichkeit, große Schäden für Bremervörde bei einem möglichen Hochwasser abzuwenden, sei die Ausweisung des Gebietes entlang der Oste unter Naturschutz. In dieser Hinsicht sei jetzt der Landkreis gefordert. Sein Fraktionskollege Reinhard Brünjes sah die Zukunft der Klein-Helgoland-Insel als eine „Morastwüste“.

Die Stadt müsse sich deutlich gegen eine Änderung der Staustufe stellen, forderten alle Redner. Das scheint nötig, wie die Antwort die niedersächsischen Umweltministers auf eine Kleine Anfrage der Grünen-Landtagsabgeordneten Elke Twesten zeigt, die Hüchting vorstellte. Derzeit existiert nämlich bereits ein „Grobkonzept“ mit sechs Zukunftsvarianten – beginnend von der Beibehaltung des jetzigen Zustandes bis hin zur Wehrbeseitigung.

Bei dem letzteren Fall werde es jedoch „begleitende Maßnahmen“ geben. „Dies gelte auch für die Beibehaltung der heutigen Stauhöhe durch Errichtung einer im Hochwasserfall nicht regelbaren Sohlgleite“, heißt es dazu. Derzeit werde „eine Sohlgleite mit mäßiger Absenkung der Stauhöhe unter gleichzeitiger Umsetzung noch näher zu differenzierender technischer Begleitmaßnahmen angestrebt“.

Davon ist in dem Brief an die Stadt, den Bürgermeister Eduard Gummich (CDU) vorlas, nicht die Rede. Landesumweltminister Hans-Heinrich Sander (FDP) versichert darin, dass er in seiner Entscheidung „alle Belange berücksichtigen“ werde. Der Eindruck, wonach bereits über die Zukunft des Wehr entschieden sei, stimme nicht. Es brauche Zeit, ehe alle Fakten und Auffassungen berücksichtigt und die unterschiedlichen Interessen gegeneinander abgewägt seien. Notwendig sei in jedem Fall ein Planfeststellungsverfahren durch die zuständige Wasserbehörde.

Die Stadtverwaltung, sagte der Bürgermeister zu, werde weiterhin das Thema verfolgen und dabei die Interessen „Bremervördes im Auge habe“. Gummich zu den Ratsmitgliedern: „Ich weiß nicht, was wir derzeit mehr tun können.“

Artikel vom 30.06.09 - 16:25 Uhr