
Ehe die Teilnehmer in die Diskussion einstiegen, gab Bürgermeisterin Irene Barth einen kurzen Abriss über den derzeitigen Planungsstand. Danach soll zwischen Haaßel und Anderlingen eine Deponie der Klasse I entstehen. Mit der ehemals geplanten Hausmülldeponie habe diese nichts gemein.
Neben Bauschutt sollen dort auch als gefährlich eingestufte Industrieabfälle eingelagert werden. Die Ausmaße der künftigen Deponie sind enorm. Während der geplanten Nutzungsdauer werden rund zwei Millionen Kubikmeter Müll eingelagert. Auf einer Fläche von rund zehn Hektar entsteht ein bis zu 30 Meter hoher Berg. Damit nicht genug. Schon jetzt ist eine ähnliche große Fläche in die Planungen mit aufgenommen werden, so dass es nicht bei dem einen Giftmüllberg bleiben muss, sagte Marc Heidemann aus Anderlingen.
Derzeit könne man davon ausgehen, dass die Deponie wesentlich schneller an ihre Kapazitätsgrenzen stoßen werde, so dass die Alternativfläche wesentlich schneller in Betrieb genommen werde. Darüber hinaus gebe es eine ganze Reihe von zweifelhaften Annahmen in den vorliegenden Planungsunterlagen.
„Sicherlich bin auch ich nur ein Laie, aber wer eins und eins zusammenzählen kann, der wird viele Fragen haben. Ich frage mich beispielsweise, wie durch den geplante Bodenaustausch sichergestellt werden kann, dass das Grundwasser nicht verunreinigt wird. Durch das Eigengewicht werden später mehr als ein Meter der Deponie unterhalb des Grundwasserpegel liegen“, sagte der Anderlinger Einwohner über die möglicherweise tickende Zeitbombe.
„Das ist die typische Planung, wie man sie kennt. Man sucht nach einer schnellen Lösung, ohne dabei an die nachfolgenden Generationen zu denken“, kritisierte Heidemann die Arbeit der Genehmigungsbehörden. Andere Einwohner sahen es ähnlich.
„Im Gutachten klingt alles sehr anschaulich und plausibel, aber wer Bauschuttdeponien kennt, weiß, dass die Praxis ganz anders aussieht. Ein Beispiel dafür ist die Staubbelastung. Da die Entsorgung von Bauschutt pro Kilogramm oder Tonne bezahlt werden muss, achten die Entsorger darauf, dass der Schutt möglichst trocken ist. Die Folge ist natürlich, dass es beim Entladen richtig staubt. Pro Jahr werden es mehrere Tonnen sein, die auf Äcker und Weiden wehen“, so Bernd Borchers von der Bürgerinitiative Haaßel.
Die Folgen für die Landwirtschaft könnten verheerend sein. „Wer garantiert uns Landwirten denn eigentlich, dass die landwirtschaftlich genutzten Flächen unbelastet bleiben? In ein paar Jahren wird es heißen, dass die Milch mit Schwermetallen belastet ist, und das ist es dann gewesen“, so Dieter Barth, der wie viele andere Landwirte Angst um seine Existenz hat.
Ängste äußerten auch die Vertreter der Anderlinger Landjugend. „Wir müssen über Jahrzehnte mit der Deponie leben und wissen bislang nichts über die Gefahren“, so die Kritik über die viel zu kurze Zeitspanne bis zur öffentlichen Informationsveranstaltung am 3. Mai.
„Dass man uns so wenig Zeit gibt, ist so gewollt. Man möchte uns für dumm verkaufen und man wird die Deponie dort genehmigen, wo am wenigsten gemuckt wird“, machte Marc Heidemann seinem Ärger über das Verhalten des Gewerbeaufsichtsamtes Luft.
Nach einer ausgiebigen Diskussion einigte man sich darauf, auch in Anderlingen eine Arbeitsgruppe zu bilden, die gemeinsam mit Haaßel die nächsten Schritte koordiniert. „Wichtig ist, dass wir gemeinsam etwas gegen die Planungen unternehmen“, so die Bürgermeisterin.
Noch am selben Abend wurde eine zwölfköpfiger Ausschuss gebildet. Diesem Gremium gehören an: Reinhard Schadly, Klaus Mehrkens, Lothar Brandt, Marc Heidemann, Reinhard Lindenberg, Katharina Ronderhuth, Katja Bredehöft, Volker Steffens, Hans-Dieter Bösch, Stefan Warnke, Thomas Brandt und Hartmut Pape.
In den nächsten Tagen werden weitere Aktionen wie Unterschriftenaktionen und Kundgebungen organisiert. Die Zeit drängt, denn bereits am 3. Mai stellen sich die Antragsteller und Planer den Fragen der Bevölkerung.
„Ich kann nur an euch alle hier im Saal und natürlich auch an die, die nicht hier sind, appellieren. Kommt am 3. Mai nach Selsingen und macht deutlich, dass ihr gegen den Bau der Deponie seid“, forderte Marc Heidemann auf. (zz/sd).
Wichtig ist, dass wir gemeinsam etwas gegen die Planungen unternehmen.