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„Der Kapitän geht von Bord“


Bremervörde. Das Gymnasium ohne seinen Leiter Karl-Heinz Bartels? Eigentlich unvorstellbar, doch seit gestern Realität. „Der Kapitän geht von Bord“, hieß es immer wieder in der Feierstunde in der Aula. Über 22 Jahre stand der Oberstudiendirektor an der Spitze des Gymnasiums. „Eine Ära geht zu Ende“, würdigte Landrat Hermann Luttmann die Verdienste des 62-jährigen Pädagogen. Von Rainer Klöfkorn


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Ein Steuerrad für den künftigen Ex-Kapitän: Oberstudiendirektor Karl-Heinz Bartels wurde gestern verabschiedet. Fotos: Klöfkorn

Bartels Nachfolgerin Dr. Elke Ricklick, die im nächsten Monat die Leitung des Gymnasiums übernimmt, tritt in große Fußstapfen: Bartels, so der Tenor aller Redner, habe die Entwicklung der Schule maßgeblich bestimmt. „Every body‘s darling“ ist er dabei nicht geworden. Er war bekannt für seinen klaren Kurs und hinterlässt eine „gut aufgestellte Schule“ (Luttmann).

Der Landrat war einer von zahlreichen Rednern, die nach der Begrüßung durch den stellvertretenden Schulleiter Horst Horlboge auf die Amtszeit Bartels‘ zurückblickten. Für die Landesschulbehörde sprach Alfred Mangold, für die Stadt Vize-Bürgermeister Hans-Klaus Genter-Mickley, für den Schulelternrat Susanne Osse („uns Eltern werden Sie fehlen“) und für den Schülerrat Steffen Wellbrock und Bernhard Schütze („wir haben viel mit Ihnen erlebt“).

Die maritime Leidenschaft des Reserve-Korvettenkapitäns zog sich wie ein roter Faden durch die Beiträge. Mit ruhiger Hand habe er das „Flaggschiff der Bremervörder Schulen“ geführt. Viele „Stürme und Klippen“ habe Bartels gekonnt umschifft.

Mangold würdigte den 62-Jährigen als „überaus erfolgreichen, geschätzten und außergewöhnlichen Pädagogen“. Geboren in der Wesermarsch und mitgeprägt durch Dienst in der Bundesmarine kam Bartels über die Stationen Winsen/Luhe, wo er unterrichtete, und Schulabteilung der Bezirksregierung im August 1989 nach Bremervörde.

Die Lehrer, schilderte es Bartels‘ Kollege Manfred Kölsch in seiner sehr launigen Laudatio, seien mit einem „smarten, dynamischen Endneunundreißiger“ als Chef konfrontiert worden. „Dieser Hoffnungsträger hat von Anfang an an dieser Schule Geschichte geschrieben.“

Zunächst habe er sich der „inneren Schulreform“ gewidmet und vor allem in seinem Lieblingsfach Biologie neue Lehrsätze eingeführt. Bei der Bewältigung der äußeren Schulreform habe Bartels großes Können als Baumeister bewiesen – letztes Projekt sei der Neubau der Aula gewesen.

Seine Doppelrolle als Lehrer und Schulleiter habe er mit Empathie und Authentizität gut gemeistert, lobte Kölsch. Ebenso gut sei ihm die Gratwanderung gelungen, eine entspannte Atmosphäre zu schaffen und ein Höchstmaß an Leistung einzufordern. Das Kollegium sei seinen Vorstellungen gefolgt, das Gymnasium zu einer Schule „mit Wohlfühlatmosphäre“ geworden.

Allerdings habe Bartels eine Neigung zu spontanen Schnellschüssen und einsamen Entscheidungen gezeigt. Kölsch: „Hier kommt der Marineoffizier durch.“ Probleme habe er teilweise unkonventionell gelöst, wurde an die Aufstellung eines Imbisswagens als Mensa-Ersatz erinnert.

Durch die lobenden Worte milde gestimmt überschlug der Oberstudiendirektor einen großen Teil seines Manuskripts: „Ich verzichte darauf, mir den Frust von der Seele zu reden.“ Die Unzufriedenheit mit der sich ständig verändernden Schulpolitik und ihren neuen Anforderungen machte er in einem Satz deutlich: „Die Ökonomisierung der Schule hat lange begonnen und die Öffentlichkeit nimmt sie nicht war.“

Umso mehr freute sich Bartels über die Zustimmung, die er am letzten Tag erfuhr. Stolz berichtete er, dass er am Morgen von seinem Wohnhaus zur Schule durch ein Spalier von Gymnasiasten gegangen sei. Und ganz besonders dankte er den beiden Sekretärinnen Bärbel Popesko und Ute Sethmann, die als „gute Feen“ an der Schule wirkten.

Damit begann für den Oberstudiendirektor die Altersteilzeit. Sein Ex-Kollege Sieghard Rasch, der mit sehr viel Humor den Verlauf des dritten Lebensabschnitts schilderte, gab ihm mit auf den Weg: „Ich wünsche Dir alles Gute für die Restlaufzeit.“ Und der Chor des Gymnasiums machte Bartels Appetit auf die Zeit ohne Schüler, Lehrer und Eltern in Abwandlung eines Reinhard-Mey-Liedes: „Jenseits der Schule muss die Freiheit gar grenzenlos sein.“

Sie haben die Wandlung des Schulleiters von Primus inter pares zum Schulmanager und Dienstvorgesetzten miterlebt.

Alfred Mangold

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Diana Padur bedankte sich für die Mitarbeiter bei Karl-Heinz Bartels und seiner Ehefrau Hiltraud mit einem Geschenk.
Artikel vom 28.01.12 - 06:20 Uhr
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