
Der in Kutenholz lebende Autor, der auch als freier Mitarbeiter für die Bremervörder Zeitung schreibt, hat nicht nur die bewegte Geschichte des Zuges aufgeschrieben. Schadeck hat auch Geschichten aus der höchst lebendigen Gegenwart der touristischen Linie gesammelt. Und natürlich ist der reisende Reporter ab und zu an den vielen Stationen von Stade bis Bremervörde, von Gnarrenburg bis Osterholz und Bremen ausgestiegen. So zeichnete Schadeck das Portrait eines Zuges, der für die Identität einer ganzen Region von großer Bedeutung ist.
„Die Idee zu diesem Buch ist entstanden, als ich einen Reisebericht über die Transsibirische Eisenbahn in die Hände bekam. Den Traum, damit einmal zu fahren, konnte ich mir bislang noch nicht erfüllen. Aber es gibt ja auch in unserer Region Schienenromantik: nämlich den Moorexpress“, erzählt Schadeck von den Anfängen des Projekts. „Und das ist (für echte Fans natürlich nicht) besonders erstaunlich: Der Moorexpress liegt nach einer Umfrage des Norddeu-schen Rundfunks im Januar 2008 in der Beliebtheit mit Platz 15 noch vor der „Transsib“ (Platz 21)“, erzählt Schadeck.
Eigentlich ist der Kutenholzer Meister im Radio- und Fernsehtechniker-Handwerk. Durch verschiedene berufliche Veränderungen sei er zum Schreiben gekommen. „Fotografiert habe ich aber schon immer gern“, sagt er von sich. Auf den Moorexpress ist er zur EXPO 2000 aufmerksam geworden. Alles zusammengenommen habe nun zu diesem „Erstlingswerk“ geführt.
Dass die mit über 20.000 Fahrgästen pro Jahr erfolgreiche Bummelbahn in der Beliebtheit weitersteigt, hofft der Autor, der gestern bei der Buchvorstellung mit seinem Verleger Wolf-Dietmar Stock einen ersten begeisterten Leser fand: EVB-Geschäftsführer Ulrich Koch. „Ich bin von dem Buch begeistert“, sagte Koch am Gleis 1 auf dem Bremervörder Bahnhof.
Schadeck machte sich ein Jahr lang auf den Weg, den Zug zu „erfahren“ und nimmt den Leser in kurzweiliger Form mit auf die Reise. Nach einem kleinen historischen Rückblick beginnt die Fahrt in Stade. Doch es wird nicht nur die Fahrt, die schon für sich ein Erlebnis ist, als solches beschrieben. Immer wieder steigt der Autor an verschiedenen Stationen der 99 Kilometer langen Strecke aus, erkundet, was es zu sehen gibt, wohin sich ein Ausflug lohnt. Erlebte Anekdoten, Gespräche mit anderen Fahrgästen oder dem Zugpersonal gehen über eine reine Reisebeschreibung hinaus, vielmehr wird der Leser Mitreisender.
Fazit der Lektüre kann nur sein: Der Moorexpress lässt nicht auf einen Nenner bringen. Die „neuen“ Künstlerbahnhöfe entlang der Strecke, das Künstlerdorf Worpswede und seine reiche Kulturgeschichte, gehören ebenso dazu wie oder die feuchtfröhlichen Junggesellenabschiede im Moorexpress, der auch ein richtiger „Gaudi-Zug“ (Schadeck) sein kann.
Viel Bildmaterial der jeweilige Stationen, Landschaft und Ausflüge ergänzen das Beschriebene. Auch für die „Eisenbahnfreaks“ unter der Leserschaft ist gesorgt. Bilder und technische Daten von historischen Triebwagen, die die EVB auf dieser und anderen Strecken einsetzt, gehören ebenso dazu wie das eine oder andere Zug-Detail, der Streckenplan und eine Auflistung der aktuellen Vorverkaufsstellen für die Fahrkarten.
„Alles in allem eine Lektüre, die zweierlei erfüllt: Erstens macht sie vor der Fahrt Appetit auf den Moorexpress und den Ausflugmöglichkeiten. Zweitens ist es ein schönes Stück Erinnerung für die, die diese Fahrt schon gemacht haben“, findet Verleger Wolf-Dietmar Stock.
Das Buch ist in der Geschäftsstelle der Bremervörder Zeitung und im Buchhandel zum Preis von 14,90 Euro erhältlich. Das Buch wird außerdem bei der 100-Jahr-Feier in Bremervörde verkauft und von Lutz Schadeck signiert.