
Von Rainer Klöfkorn
bremervörde. Was wird mit der Oste und ihrem Wehr in Bremervörde? Diese Frage steht weiterhin im Raum und wird vermutlich erst zu Beginn des nächsten Jahres beantwortet werden. Die Stadt Bremervörde erhebt laut Bürgermeister Eduard Gummich eine deutliche Forderung: „Der Hochwasserschutz muss absolute Priorität haben.“
Der Rückbau des Oste-Wehrs wird vor allem von der Landwirtschaft gefordert. Die Betriebe, die Flächen entlang der Oste bewirtschaften, hätten „erhebliche Nachteile“ hinzunehmen, so die Ansicht von Bremervördes Kreislandvolk-Geschäftsführer Wilhelm Bredehöft. Grund seien die hohen Wasserstände in Oste und Bever, die die Entwässerung der landwirtschaftlich genutzten Flächen erschwerten.
Gegen den Rückbau des fast 60 Jahre alten Wehrs kämpfen vor allem Naturschützer und Angler. Sie warnen von einer „ökologischen Katastrophe“ als Folge. Das zuständige Landesumweltministerium in Hannover hat daraufhin reagiert und den Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) mit einem Gutachten beauftragt. Es müsse eine für alle Seiten verträgliche Lösung gefunden werden, hat Minister Hans-Heinrich Sander (FDP) zur Auflage gemacht.
Während sich die Behördenmitarbeiter darüber den Kopf zerbrechen, wie sie diesem Anspruch gerecht werden können, bringt die Stadt Bremervörde einen weiteren wichtigen Aspekt in die Diskussion. Der Rückbau des Wehrs gefährde den Schutz der Stadt vor Hochwasser, sagt Bürgermeister Gummich.
Dieser Gefahrenpunkt sei im bisherigen Verlauf der Diskussion zu kurz gekommen, ist seine Auffassung. Deshalb habe er bei einem Behördentermin, an dem neben Mitarbeitern des NLWKN Vertreter der Wasser- und Naturschutzbehörde der Rotenburger Kreisverwaltung teilnahmen, eindringlich darauf hingewiesen. Gummich: „Der Hochwasserschutz muss bei allen Planungen absolute Priorität haben.“
Er habe an die große Überschwemmung im vergangenen Jahr erinnert, als das Wasser der Oste fast die Bundesstraße überflutete. Auch die Vertreter des Landkreises hätten ihn in seiner Forderung unterstützt. „Ich hoffe, dass diese Botschaft bei den Vertretern des NLWKN angekommen ist“, sagt Gummich.
In einem Brief an Minister Sander habe er seine Forderung bekräftigt. Die Kernaussage dabei: „Jede Alternative zum Oste-Wehr dürfe die Situation in Bremervörde nicht verschlechtern“. Eine Variante, von der unter Umständen ein Schaden für die Stadt ausgehe, werde er nicht akzeptieren.
Auch Uwe Baumert verfolgt gespannt die Diskussion um die Zukunft der Oste in Bremervörde. Der stellvertretende NABU-Landesvorsitzende erinnert daran, dass die europäische Wasserrichtlinie zwar die Durchgängigkeit der Fließgewässer fordere, damit jedoch nicht der Rückbau des Wehrs mit ökologisch negativen Folgen gemeint sei.
Schließlich sei die Oste mit ihren Nebenbächen Flora-Fauna-Habitat-Gebiet (FFH) und unterliege damit einem Verschlechterungsverbot. Ein zusätzlicher Grünlandumbruch und Maisfelder bis an die Ufer würden den Zielen der Europäischen Union und den Zielen der guten fachlichen Praxis in der Landwirtschaft widersprechen.
Als akzeptabel sieht Baumert der Einbau eines Umgehungsgerinnes oder einer Sohlgleite beim Wehr an. Und er weiß auch, wie das nötige Geld zu beschaffen sei: Der Einbau könnte mit Mitteln des Niedersächsischen Fließgewässerprogramms finanziert werden. Damit, so der Deinstedter, bleibe die Kulturlandschaft an der Oste und den Nebenbächen für Mensch, Natur und Umwelt erhalten.
Ob es dazu kommt oder vielleicht doch das gesamte Wehr stillgelegt wird, hängt entscheidend von der Untersuchung des NLWKN ab. Die Entscheidung fällt jedoch in Hannover. Sollte Umweltminister Sander sich für eine Lösung entschieden, die die Interessen Bremervördes außen vor lässt, werde er sich auf Protest gefasst machen müssen, kündigt der Bremervörde Bürgermeister an. Und wie sagt Uwe Baumert so schön: „Gemeinwohl muss Vorrang haben muss vor Einzelinteressen.“
Der Hochwasserschutz für Bremervörde muss absolute Priorät haben.