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Die Schule – ein einziger großer Zirkus


Basdahl. In der Grundschule in Basdahl hat in der vergangenen Woche nicht Lesen, Schreiben und Rechnen auf dem Stundenplan gestanden, sondern Turnen am Trapez, Lasso werfen, Ziegen dressieren und allerhand weitere Kunststücke jenseits des üblichen Unterrichts. Der Zirkus „Eldorado“ war zu Gast und verwandelte die Schule mit tatkräftiger Unterstützung der Schüler in einen echten Zirkusbetrieb. Zum Abschluss der Projektwoche zeigten die Kinder in einer großen Gala-Vorstellung, was in ihnen steckt. Von Frauke Siems


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Komm hol‘ das Lasso raus: Im Zirkus Eldorado ging es rund.

Im behaglich beheizten Zirkuszelt wird das „hochvereehrte Publikum“ via Lautsprecher begrüßt: „Hereinspaziert, hereinspaziert“. Eltern, Großeltern und Geschwister rutschen auf den leuchtend rot und gelb gestrichenen Stühlen herum und warten gespannt auf das „Manege frei“. Der „Kinder-Mitmach-Zirkus Eldorado“ verspricht ein „großes Spektakel“ – und die Zuschauer werden nicht enttäuscht. Schlag auf Schlag geht es durch das Programm. Im Mittelpunkt stets die Kinder, die von den echten Zirkus-Profis dezente Hilfe bekommen.

Wie wäre es mit atemberaubender Akrobatik oder einer schwindelerregenden Nummer am Trapez? Dazu quirlige Cheerleader mit bunten Pompons, mutige Cowboys mit schwingenden Lassos und eine muntere Voltigier-Truppe auf dem geduldigen Haflinger „Sultan“. Die Kinder beweisen sich als lustige Clowns und talentierte Jongleure, bändigen einen tanzbegabten Bären und haben bei ihren Darbietungen genauso viel Spaß wie das begeisterte Publikum. Selbst Schulleiterin Birgit Arnold wird eingespannt: Im Dirndl, das Haar zu Zöpfen frisiert, lenkt sie souverän wie Johanna Spyris „Heidi“ eine von mehreren putzigen Ziegen durch den Parcours.

Familie Thiel hat mit ihrem „Mitmach-Zirkus“ eine Marktlücke entdeckt. Auf der Homepage finden sich reihenweise Dankesbriefe von Schulen, an denen der Zirkus zu Gast war. Die Idee zu Thiels unkonventioneller Bildungsarbeit hatte vor sechs Jahren eine Lehrerin aus Lilienthal. Auf ihre Anfrage hin begann der damals vor dem Aus stehende Zirkus, mit Schulen zusammenzuarbeiten. Das Konzept ging und geht auf. Immer mehr Lernstätten sind begeistert, der Erfolg spricht sich herum. Heute kann sich der Zirkus „Eldorado“ wieder gut über Wasser halten, berichtet Jesse Thiel, einer von insgesamt elf Geschwistern in dem Familienunternehmen. „Wir sind endlos glücklich.“

Jeder Artist trainiert mit den Kindern das, womit er früher solo aufgetreten ist. Thiel ist der Mann am Trapez. Seine Oberarme sind kräftiger als die meisten Oberschenkel seiner Schüler. „Bei uns ist für jeden was dabei“, meint er. Ob Sportler, Tänzer oder Tierfreund – und „der Klassenkasper wird Clown“.

Ist es bitter für einen Profi, überwiegend in der zweiten Reihe zu stehen? „Nein, man ist glücklich, wenn man den Kindern etwas beigebracht hat. Für die ist der Auftritt das Größte!“ Das zu sehen, motiviere ihn und seine Familie, sagt Thiel.

Unterstützt wird das zirkusreife Projekt in der Grundschule Basdahl vom Förderverein, der für die Kinder die Teilnahmegebühren übernimmt. Nach den Worten von Schulleiterin Birgit Arnold haben sich der Schulvorstand und das Kollegium aus verschiedenen Gründen für eine Zirkus-Projektwoche entschieden: Zum einen sei die Begeisterung für den Zirkus damit verbunden, „Neues zu erfahren, seine Grenzen zu erleben und einige davon zu überwinden. Vor fremdes Publikum und die eigenen Eltern zu treten, einen Trick vorzuführen und Applaus zu bekommen, stärkt das Selbstbewusstsein“, unterstreicht die Pädagogin. Die Mischung aus Herausforderung, spannendem Erlebnis und Grenzerfahrung fördere das Selbstvertrauen der Schüler. Gleichzeitig seien „Regeln einzuhalten, Requisiten und Tiere pfleglich zu behandeln, gegenseitig Hilfestellung zu geben“. Der Zusammenhang zwischen Kooperation und Erfolg werde beim Training der Zirkusnummern überaus deutlich. „Vorbehalte werden abgebaut, es entsteht ein gemeinsames Werk, in dem jeder seinen Platz hat und Verantwortung für den anderen und das Ganze trägt“, erläutert die Schulleiterin.

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Schulleiterin Birgit Arnold als „Ziegen-Dompteurin“.
Artikel vom 30.01.12 - 14:40 Uhr
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