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„Die bleierne Zeit“ enthüllt


Bremervörde. Es kommt nicht oft vor, dass alle Bürger über den Standort einer Skulptur in ihrer Stadt mitentscheiden dürfen. Bei der Dauermahnwache der Atomkraftgegner des „Aktionsbündnisses Bremervörde“ haben Bürger seit gestern Abend die Möglichkeit mitzureden: Es geht um den Standort für ein Werk des Mulsumer Künstlers Gerd Rehpenning, dessen Skulptur „Die bleierne Zeit“ gestern auf dem Rathausmarkt vorgestellt wurde. Von Thomas Schmidt


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Der Künstler Gerd Rehpenning hat auf Anregung des Aktionsbündnisses Bremervörde seine Skulptur gefertigt und gestiftet, die im öffentlichen Raum Bremervördes „als permanente Warnung vor der zivilen und militärischen Nutzung der Atomkraft“ aufgestellt werden soll. Fotos: Schmidt

Der ehemalige Bremervörder ist wie so viele seiner Generation mit der Angst vor einem atomaren Kriegsinferno und später mit der Angst vor einem zivilen Atomunfall groß geworden. Diese Erfahrung hat er mit seiner Arbeit künstlerisch umgesetzt. Das 150 Kilogramm schwere Werk zeigt einen Mensch ohne Gesicht, umhüllt von einer Art Sarkophag. Das Blei stehe für den trügerischen Schutz vor der Strahlung, aber auch für die „Unbeweglichkeit der Politik“, die Jahrzehnte lang die Gefahren der Atomenergie verharmlost habe, verweist Rehpenning im Gespräch mit der BZ auf eine von vielen Interpretationen seines Werkes.

Rehpenning erinnerte in einer kurzen Rede an den Schock, als seine Mitschüler und er 1962 bei der Kuba-Krise von der Lehrerin nach Hause geschickt wurden. „Wir sollten offenbar zu Hause sterben“, sagte er mit Blick auf die Angst der Menschen vor einem dritten Weltkrieg.

„Der Atomausstieg ist beschlossen. Die CDU/FDP-Regierung hat eine Kehrtwendung vollzogen. Nicht freiwillig, nicht überzeugend“, sagte Reinhard Bussenius, Kreistagsabgeordneter der Grünen und Mitglied des Aktionsbündnisses. „Der Blick auf die dramatischen Ergebnisse der Meinungsumfragen spielte da wohl eine größere Rolle als die Meinungsänderung bei den Regierenden. Der Mainstream war entscheidend. Und den haben wir, den habt ihr mitbewirkt“, rief Bussenius den Bürgern zu.

Aus Sicht des Aktionsbündnises gibt es trotz der jüngsten Erfolge der Anti-AKW-Bewegung noch immer jede Menge Handlungsbedarf: „Bis heute lagern weltweit noch tausende atomare Sprengköpfe in den Arsenalen, auch in Deutschland. Die so genannte ,zivile‘ Nutzung der Kernenergie beweist ebenfalls ihre katastrophalen Risiken. Harrisburg, Tschernobyl und Fukushima waren nur die größten Unfälle“, teilt das Aktionsbündnis mit. „Weitgehend unbeachtet stellten der Uranabbau, der Normalbetrieb atomarer Anlagen, Störfälle und nicht zuletzt die über Jahrtausende strahlenden Atomabfälle eine ständige Gefahr dar. Weltweit gibt es kein sicheres Endlager“, kritisiert das Aktionsbündnis.

Lokale Atomkraftgegner werden bis morgen auf dem Rathausmarkt präsent sein. Sie rufen dazu auf, sich die Skulptur anzusehen und Vorschläge für einen dauerhaften Standort in Bremervörde zu machen. Weiterhin ist jeder Bürger eingeladen, an der Mahnwache bis morgen teilzunehmen, um sich zu informieren oder mit den Aktivisten zu diskutieren. „Kulturelle und kulinarische Beiträge sind erwünscht“, teilt die Aktionsgruppe mit, von denen einige auch auf dem Rathausmarkt übernachten.

Heute Morgen lädt die Gruppe ab 9 Uhr zu einem gemeinsamen Frühstück auf dem Rathausmarkt ein. Morgen findet ein so genanntes „Widerstandskaffeetrinken“ ab 16 Uhr für alle interessierten Bürger ein. Das Kaffeetrinken bildet zugleich den Abschluss der Mahnwache auf dem Rathausmarkt.

Im Anschluss an das Kaffeetrinken wird die Skulptur in die Bahnhofstraße transportiert und im Vorgarten der Praxis Dr. Illig in der Bahnhofstraße aufgestellt. An diesem vorläufigen Platz soll sie bis zum Abschluss des Ideenwettbewerbs und zur Findung eines endgültigen Standortes verbleiben.

Es können auch per Anruf, Brief oder E-Mail Vorschläge abgegeben werden. Das Aktionsbündnis ist für Vorschläge zu erreichen unter: Aktionsbündnis Bremervörde, Reinhard Bussenius, Wallbeckstal 6, 27432 Bremervörde und auch per E-Mail (aktionBRV@gmx.de), Telefonnummer 0 47 68/6 85

www.aktionbrv@wordpress.com

Als ich vor 14 Jahren in diese Gegend zog, kannte ich die Antiatom-Bewegung noch mit Namen: es waren zwei Leute. Heute bin ich froh, dass ich nicht mehr alle mit Namen kenne.

fotograf Günter Zint, der Jahrzehnte lang die Anti-Akw-Bewegung journalistisch begleitet hat, über die Zahl von rund 100 Demonstranten in Bremervörde

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Der Demonstrationszug auf dem Weg zum Rathausmarkt.
Artikel vom 18.06.11 - 06:19 Uhr
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