Insgesamt ließen die Staatsanwaltschaft Verden und die Zentrale Kriminalinspektion Oldenburg gestern die Geschäftsräume von Bauunternehmen in Niedersachsen, Schleswig-Holstein, Bremen und Hamburg durchsuchen. Etwa 400 Polizeibeamte wurden zu 110 Objekten geschickt, hieß es seitens der Staatsanwaltschaft. Ausschlaggebend für die Aktion seien konkrete Hinweise eines Bauunternehmers gegenüber der Polizei über manipulierte Ausschreibungsverfahren gewesen.
Der Vorwurf: Mitarbeiter von Baufirmen sollen bei etwa 50 Ausschreibungsverfahren der öffentlichen Hand sowie privater Bauherren Absprachen über die Höhe der anzubietenden Preise getroffen und so den Ausgang des jeweiligen Ausschreibungsverfahrens rechtswidrig beeinflusst haben. Im Zuge der Ermittlungen wurden auch die Wohnungen von 40 beschuldigten Mitarbeitern durchsucht. Sie stehen im Verdacht, an den Absprachen beteiligt gewesen zu sein.
Auch im Landkreis Rotenburg wurden Geschäftsräume und Wohnungen in Bremervörde, Seedorf, Selsingen, Gnarrenburg, Hipstedt, Zeven und Elstorf durchsucht. Erst durch die Bremervörder Zeitung erfuhren der Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Bremervörde-Osterholz-Verden, Rainer Christmann, sowie der Vorsitzende der Baugewerke-Innung, Klaus Hinck, von den Vorwürfen. Zur Sache selbst konnten sie keine Angaben machen.
Ein Kenner der hiesigen Baubranche wunderte sich im BZ-Gespräch über den Umfang der Vorwürfe. In der jetzigen Zeit würden die Firmen um jeden Auftrag kämpfen, Absprachen seien deshalb kaum vorstellbar, hieß es. Allerdings habe es in der Vergangenheit immer wieder solche Gerüchte gegeben. Diese hätten sich allerdings nicht auf Bauvorhaben im Kreisgebiet bezogen, sondern in den benachbarten Großstädten.
Durchsucht wurden auch die Diensträume von zehn Behördenmitarbeitern. Sie sollen die Absprachen durch Auskünfte zu Ausschreibungen gefördert haben. Unter die Lupe genommen wurden Behörden in Cuxhaven, Hemmoor, Ihlienworth, Stade und Drochtersen. (rkl)