Bremervörde. Werner Burkart, Kreisbeauftragter für den Naturschutz, übt Kritik an Landwirtschaftsminister Hans-Heinrich Ehlen (CDU). Die Probleme um den zunehmenden Bau von Biogasanlagen würden von ihm kaum wahr genommen. Er, Burkart, habe auch nicht den Eindruck, dass im hannoverschen Ministerium an Lösungen des Problems gearbeitet werde.
Der Bau von Biogasanlagen stößt offenbar zunehmend auf Kritik und Ablehnung. So lehnte der Tarmstedter Rat den Antrag zweier Hanstedter Landwirte ab, an der Straße von Breddorf nach Glinstedt eine weitere Anlage bauen zu dürfen. Und nach dem Willen der Dorfbevölkerung soll der Errichtung einer Gemeinschaftsanlage in der Gemarkung Freetz bei Sittensen ein Bürgerentscheid vorausgehen.
Mit rund 100 Biogasanlagen – davon werden zurzeit 77 betrieben, die anderen befinden sich im Genehmigungsverfahren – gehört der Landkreis Rotenburg in Niedersachsen zu den Spitzenreitern. Damit sei die Zeit für eine Atempause gekommen, die der Tier- und Pflanzenwelt zugestanden werden müsse, unterstreicht Burkart: „Die kritische Nachfrage muss erlaubt sein, weil Biogas-technologie aus öffentlichen Mitteln gefördert wird.“
Dem 67-Jährigen geht es nicht um die Verteufelung der Pflanze Mais. Abzulehnen sei jedoch, wenn es im Zusammenhang mit Biogasanlagen zu Monokulturen komme: „Die Fruchtfolgen treten in den Hintergrund, mit den ganzen Konsequenzen, bezogen auf die Artenvielfalt und das Landschaftsbild.“ Aus der herkömmlichen Kulturlandschaft werde ein Industrieraum mit allen Problemen.
Immerhin: Auf knapp der Hälfte der Ackerfläche im Landkreis Rotenburg wurde im vergangenen Jahr Mais angebaut. Wird die gesamte landwirtschaftliche Nutzfläche zugrunde gelegt, sind es zirka ein Drittel. Der Mais wird für Biogasanlagen und zum Füttern von Schweinen genommen. Burkart: „Was betriebswirtschaftlich sinnvoll und nachvollziehbar ist, dient nicht automatisch dem Allgemeinwohl.“
Er habe sich angesichts dieser Problematik an Landwirtschaftsminister Ehlen gewandt, jedoch eine „nichtssagende und enttäuschende“ Antwort erhalten. Vom Land werde eingeräumt, dass sich die Situation des Grünlandes in Niedersachsen weiter verschlechtert habe, da sie ständig abnehme. Die entsprechende Verordnung besage hingegen, dass der Anteil des Grünlandes an der gesamten landwirtschaftlichen Nutzfläche nicht weiter sinken solle.
Burkart: „Es hat keinen Sinn, diese Konflikte und Probleme zu bestreiten, sie müssen benannt werden. Erst dann kann man sich daran machen, sie zu entschärfen.“ In diesem Zusammenhang bezeichnet der Wilstedter die Aussagen des stellvertretenden niedersächsischen Landvolkvorsitzenden Heinz Korte aus Plönjeshausen in der BZ als wenig hilfreich: „Damit geht auch der Verweis auf die Leitlinien zur ordnungsgemäßen Landbewirtschaftung ins Leere, weil diese Leitlinien nicht verbindlich sind.“
Jetzt erwartet der Naturschützer eine Aussage vom niedersächsischen Minister für Umwelt- und Klimaschutz, Hans-Heinrich Sander. Der FDP-Minister ist am Freitag, 12. Februar, 10 Uhr, im Hotel Daub in Bremervörde Gast während der Generalversammlung des Landvolk-Kreisverbandes Bremervörde. Dort spricht er zu dem Thema „Landwirtschaft und Naturschutz im Spannungsfeld – aktuelle Probleme und Lösungen“.
Zu denen, die vor verstärktem Maisanbau warnen, gehört unter anderem auch Hartwig Oerding aus Zeven, ehemals Berater bei der Außenstelle Zeven der Landwirtschaftskammer. Der passionierter Jäger befürchtet, dass die zunehmende Zahl der Biogasanlagen die Tier- und Pflanzenwelt zwangsläufig verändert.
Oerding stellt die Frage, ob der Landkreis in diesen kritischen Situationen sich nicht das Recht nehmen solle, steuernd einzugreifen. Der 70-Jährige: „Es kann nicht sein, dass die Artenvielfalt aufs Spiel gesetzt wird.“