
Zusammen mit dem NABU-Kreisvorsitzenden Uwe Baumert schilderte der Appelner der BZ-Redaktion das Problem und mahnte zum Umdenken. Die Sorge um die ausgetrocknete Lune führt die beiden Umweltschützer auch zum Thema Küstenautobahn. Mehr Straßen bedeuteten mehr Verkehr: Entsprechend werde die geplante A 22 das Klima durch weiteres Kohlendioxid zusätzlich belasten.
Normalerweise fließt die Havekescher Lune direkt vor Schusters Haustür. Doch seit Ende Juli plätschert hier nichts mehr. Auch die im Bereich Sünderwald und Hohes Moor in Basdahl entspringende Hauptlune und die Volkmarster Lune sind trocken gefallen. Erst südlich von Appeln wird der kleine Wiesenfluss, rechter Nebenfluss der Unterweser, „durch die Feldentwicklung wieder nass“, erläutert Schuster. Der Appelner ist in Sorge: Dass der Bach ausgetrocknet ist, sei für ihn „als Laien ein Anzeichen dafür, dass die Natur reagiert“.
Uwe Baumert pflichtet ihm bei. Der NABU-Kreisvorsitzende bezeichnet das „Phänomen Lune“ als Indiz für den schleichenden Klimawandel, für wärmere und regenärmere Sommer. Wasser sei „Leben in Bewegung“, in der Lune bewege sich nichts, da sei auch kein Leben mehr. Die Gewässerstruktur leide, meint Baumert. Wasserpflanzen, an denen Tiere ihren Laich ablegten, verdorrten ebenso wie das Grün an den Seitenrändern. Fische wie Elritzen und Stichlinge kämen um. Durch die Trockenheit gebe es Erosionen an den Uferrändern. Pflanzen könnten ohne Wasser nicht neu wachsen, schildert Baumert die Probleme.
Mehr noch: Ohne Wasser in der Lune fehle auch das Wasser in der Fläche. Darunter leide neben den Bäumen auch die Landwirtschaft. Gerade der in der Region so reichlich angebaute Mais brauche viel Wasser, „am besten atlantisches Klima“, meint Baumert. Die Lune müsse erhalten werden für die Natur und den wirtschaftenden und erholungssuchenden Menschen. „Dafür muss man etwas tun“, meinen der NABU-Vorsitzende und sein Freund Schuster. Die beiden wollen die Bürger sensibilisieren. Uwe Baumert geht davon aus, „dass die Lune langfristig austrocknet, wenn wir nicht gegensteuern.“ Der Bau einer neuen Autobahn führt nach Ansicht der beiden Männer zu einer weiteren Verschärfung des Problems. Am Beispiel des Baches zeige sich, dass der Klimawandel „näher rückt“, meint Schuster. Es sei an der Zeit, auch für die kommenden Generationen verantwortungsvoll zu handeln und den Hebel umzulegen: „Und da sind wir wieder bei der Autobahn.“
Uwe Baumert wundert sich, dass die Landwirtschaft angesichts des enormen Flächenverbrauchs durch die geplante Küstenautobahn nicht aufschreie. Der Autobahngegner wünscht sich eine engere Zusammenarbeit zwischen Bauern und NABU und die Erkenntnis: „Wir sitzen im selben Boot.“ Gerade für Milchviehbauern sei die A 22 „überhaupt keine Hilfe“, meint Baumert. Sie gefährde vielmehr die regionale Landwirtschaft.
Die enge Kooperation zwischen den hiesigen Jägern und dem NABU zeige, dass Verbände und Institutionen durchaus effektiv zusammenarbeiten könnten, selbst wenn sie nicht in allem einer Meinung seien.