
„Meine Frau und meine Kinder hatten großen Angst“, erinnert sich der 37-jährige Kuhstedter. Der Zaun sei völlig ungeeignet. „Wir mussten fürchten, dass der Hund drüber springt“, fügt er hinzu. „Kein Kuhstedter traut sich da mehr vorbei“, berichtet der Vater eines drei- und eines fünfjährigen Kindes. Die Bushaltestelle vor dem Grundstück werde längst von den Kuhstedtern gemieden, sagt der Kuhstedter. „Meine Frau rief mich zur Hilfe, nachdem sie und meine Kinder angebellt wurden“, erzählt der 37-Jährige.
Da habe er dem Hundehalter unmissverständlich klar gemacht, dass dieser besser auf seine Hunde aufpassen müsse. Im Laufe eines anschließenden lauten Wortgefechts habe ihm ein Bewohner des Hauses einen heftigen Schlag ins Gesicht versetzt, erzählt er der BZ. „Viele weitere Vorfälle sind gar nicht zur Anzeige gebracht worden, weil die Bürger Angst vor den Haltern und den Hunden haben“, vermutet der Kuhstedter.
Dass die Bürger die Bushaltestelle in der Nähe des Grundstücks inzwischen meiden, bestätigt die 60-jährige Rentnerin, die am 21. November von dem Schäferhund gebissen wurde. „Viele Kuhstedter haben Angst. Meine Wunde musste mit mehreren Stichen genäht werden“, berichtet das Hundebissopfer. „Wenn ich nicht so einen robusten Stiefel angehabt hätte, wäre es noch viel schlimmer geworden“, vermutet die Großmutter, die jetzt allen Mut zusammen nehmen muss, wenn sie ihre vier Enkel mit dem Rad besuchen möchte. „Ich sehe gar nicht ein, warum ich die kurze Strecke wegen der Hunde mit dem Auto fahren sollte. Das kann es doch nicht sein!“
Frank Schröder vom Gnarrenburger Ordnungsamt bestätigte gestern auf Anfrage der BZ, dass dem Hundehalter unter Androhung eines Zwangsgeldes die Auflage gemacht wurde, einen höheren Zaun zu bauen. Das sei jedoch noch nicht geschehen. Außerdem müssten beide Hunde einen Beißkorb tragen. Dass dies in der vergangenen Woche offenbar nicht der Fall war, musste Michael Schäfer am eigenen Leibe erfahren. „Obwohl der Hund an der Leine geführt wurde, ist er auf mich los und hat nach meinem Fuß geschnappt. Zum Glück hatte ich stabile Schuhe an, so dass nichts passiert ist“, berichtete der Citipost-Mitarbeiter gestern.
„Wir melden jeden Zwischenfall an das Kreisveterinäramt“, sagte gestern ein Sprecher der Gnarrenburger Polizei. Die Gnarrenburger Beamten würden sich ein „härteres Vorgehen“ gegen die Hundehalter wünschen, äußerte sich ein Polizist. „Die bisherigen Maßnahmen haben offenbar wenig gebracht, die Bürger leben in großer Angst“, heißt es seitens der Polizei.
Wie berichtet, hatte das Kreisveterinäramt in Rotenburg den Schäferhund als „ungefährlich“, aber „unerzogen“ eingeschätzt. Durch diese Einstufung ist laut niedersächsischem Hundegesetz das Ordnungsamt der Gemeinde Gnarrenburg zuständig. Ob die Rotenburger Behörde nach den jüngsten Vorfällen zu einer anderen Beurteilung gelangt, ist zurzeit noch unklar.
Vom Kreisveterinäramt war gestern keine offizielle Stellungnahme zu dem jüngsten Vorfällen zu erhalten. Eine Behördenmitarbeiterin sagte jedoch auf BZ-Anfrage, dass der Leiter der Behörde voraussichtlich im Laufe des heutigen Tages Stellung nehmen werde.