
Der Rückbau des Oste-Wehrs ist nicht das erste Mal im Gespräch. Immer wieder hatte es in der Vergangenheit entsprechende Gerüchte gegeben. Seit Jahren fordert der Bremervörder Kreisverband des niedersächsischen Landvolkes die Absenkung der Stauhöhe. Auf BZ-Anfrage bestätigte Wilhelm Bredehöft, Geschäftsführer des Landvolk-Kreisverbandes Bremervörde, dass der Landvolkverband zwar keinen formalen Antrag an das Umweltministerium gestellt habe, jedoch „über einen langen Zeitraum seine Unzufriedenheit über die derzeitige Situation“ geäußert habe.
Hintergrund für die Forderung des Landvolkverbandes, so Bredehöft, seien die „erheblichen Nachteile“ für die Landwirte, die Flächen entlang der Oste haben. „Durch den Wehrbetrieb haben Oberoste und Bever hohe Wasserstände. Die Entwässerung der landwirtschaftlichen Flächen ist dadurch nur sehr schlecht möglich“, begründet Wilhelm Bredehöft das Anliegen der Landwirte. Im Übrigen, so der Landvolk-Geschäftsführer, existiere das Staurecht an dieser Stelle der Oste formal gar nicht mehr. Ein weiteres Argument für den Rückbau des Oste-Wehrs sei die europäische Wasserrahmenrichtlinie (EU-WRR), die eine Durchgängigkeit der Fließgewässer fordert.
Kritik an der Forderung nach Rückbau des Wehrs kommt neben den Naturschutzverbänden auch vom Bremervörder Fischereisportverein. „Wenn das Wehr wegkäme, wäre das eine ökologische Katastrophe“, sagt Jürgen Höft. Eine Absenkung des Oste-Pegels um 40 Zentimeter, so der Vorsitzende des Fischereisportvereins, hätte unter anderem für den Bereich um die Insel „Klein Helgoland“ gravierende Folgen: „Das würde hier zu einem Sumpfgebiet verkommen und Bremervörde zu einem echten Mückenzentrum.“
Nun müsse der Bremervörder Stadtrat tätig werden, um drohendes Unheil von der Ostestadt abzuwenden. Denn immerhin, so Höft, habe der Fluss ja auch touristisches Potenzial für Bremervörde. Die Sorgen der Angler teilt auch Bremervördes Bürgermeister Eduard Gummich. „Das Wehr hat eine große Bedeutung für den Hochwasserschutz der Stadt. Das hat Prioriät“, sagt Gummich gegenüber der BZ. Verärgert ist der Bürgermeister über die Tatsache, dass mit den direkt von einem möglichen Rückbau des Wehrs Betroffenen bislang nicht gesprochen worden sei.
Gespräche in dieser Angelegenheit hat es hingegen zwischen dem Landkreis Rotenburg und dem Niedersächsischen Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) gegeben. Deren Ergebnis sei aber noch vollkommen offen, sagt Berthold von Poten vom NLWKN in Stade gegenüber unserer Zeitung. Und sein Kollege Achim Stolz von der NLWKN-Geschäftsstelle in Norden weiß, dass „es Vorüberlegungen gibt, die verschiedene Varianten vorsehen“. Die möglichen Varianten reichten vom kompletten Rückbau des Wehrs bis zur Beibehaltung des jetzigen Zustandes.
„In dieser Frage gibt es die unterschiedlichsten Interessen. Landwirtschaft, Naturschutz, Fischerei – alles muss bedacht werden“, erklärt Gert Engelhardt von der Naturschutzbehörde des Landkreises.
Das letzte Wort hat unterdessen das niedersächsische Umweltministerium in Hannover. „Das Thema ist bei uns im Ministerium angekommen. Die Angelegenheit wird zurzeit mit Blick auf die Belange der Wasserwirtschaft und des Naturschutzes geprüft“, sagt Ministeriumssprecherin Jutta Kremer-Heye. Das dauere noch ein bisschen. Noch vor dem Sommer dürfte allerdings eine Tendenz erkennbar sein, welche Lösung denkbar ist. „Der Minister muss dann entscheiden“, sagt Kremer-Heye.