
Ein saniertes Gebäude, die Kooperation mit der Lebenshilfe Bremervörde/Zeven und der Beschluss des Stadtrates, die Beverner Schule zur Ganztagsschule zu machen – Lehrer und Eltern in der Ortschaft sahen sich für die Zukunft gut aufgestellt. Doch von Zukunft kann kaum noch die Rede sein. Drei Grundschulen müsse die Stadt aufgrund ihrer finanziellen Misere schließen, heißt es im „Geheimpapier“ des Bürgermeisters.
Bevern steht ganz oben auf der Liste, Gummich plädiert für ein „schnellstmögliches“ Ende. Neben den Kosten spielt dabei die geringe Zahl der Neugeborenen eine Rolle. Für die Schulleiterin Gunda Kammann kein überzeugendes Argument: „Es gibt immer Wellenbewegungen bei den Schülerzahlen.“ Der gegenwärtige Einbruch könne zum Beispiel mit der Änderung der Einzugsgrenzen überbrückt werden.
Die Schulleiterin, die Elternratsvorsitzende Astrid Michaelis und den Fördervereinsvorsitzenden Matthias Betz bezeichnen es als Fehler, die Beverner Schule zu schließen und die Kinder in Hesedorf zu unterrichten. „Hier erhalten unsere Kinder wohnortnah die bestmögliche Ausbildung und Förderung, hier wird ihre persönliche und schulische Entwicklung optimal unterstützt und gefördert“, heißt es in einem Aufruf der Elternvertretung. Gerade die überschaubare Struktur der Schule biete Geborgenheit und Sicherheit und damit wichtige Voraussetzungen für Selbstständigkeit, Sozialverhalten und Verantwortungsübernahme.
Generell sei es falsch, Einsparungen zu Lasten von Kindern vorzunehmen. Zudem bedeute die Schulschließung einen Vertrauensbruch: Viele Eltern seien nach Bevern und Plönjeshausen gezogen, damit ihre Kinder wohnortnah eine Schule besuchen könnten. Für junge Familien würden beide Ortschaften dadurch unattraktiv. „Dies kann von einer modernen Kommune, die weiter wachsen will und sich familienfreundlich gibt, nicht gewollt sein“, kritisieren die Elternvertreter.
Durch die Einführung der Ganztagsschule habe der Schulstandort Bevern an Qualität gewonnen. In den vergangenen Monaten seien viele Aktivitäten entwickelt worden. Dies habe auch der Stadtrat gewürdigt und die Genehmigung erteilt.
Die Hesedorfer Schule, in der die Beverner Kinder laut Bürgermeister künftig unterrichtet werden sollen, habe keinen Antrag auf Ganztagsbeschulung gestellt. „Eine Schließung wäre somit auch ein Schlag ins Gesicht all derjenigen, die sich für ihre Schule stark gemacht und ihr Angebot weiter entwickelt haben“, sind Schulleitung und Eltern überzeugt.
Hinzu komme, dass das Raumangebot in Hesedorf schon jetzt beschränkt sei, während in Bevern genügend Räume zur Verfügung stünden. Die Beverner Kinder müssten künftig gefahren werden, der Weg zur Schule werde damit für die Sechs- bis Zehnjährigen wesentlich risikoreicher.
Als Argument für eine Beibehaltung des Schulgebäudes wird auch die Kooperation mit der Helga-Leinung-Schule der Lebenshilfe angeführt. Seit zwei Jahren sei die aus acht Schülern bestehende Kooperationsklasse beispielhaft integriert. Marlies Jürs von der Lebenshilfe würde es bedauern, wenn aufgrund der Schulschließung die Kooperation beendet werden muss: „Sie klappt vorbildlich und ist ein Vorzeigemodell.“ In Bevern habe sich gezeigt, zu welchen Leistungen die Lebenshilfe-Kinder fähig seien, wenn sie entsprechend gefordert würden. Jürs erwartet große Probleme, wenn die Schule schließt. Durch die Entscheidung des Kreistages, in Bremervörde eine Förderschule Geistige Entwicklung einzurichten, benötige die Helga-Leinung-Schule unbedingt Kooperationspartner. Die Schulpolitik der Stadt erschwere diese Suche.
Die Elternvertreter wollen ihre Argumente gegenüber den Stadtpolitikern vorbringen. „Die Politik muss den Elternwillen respektieren, das ist ausdrücklich vorgesehen“, sagen Astrid Michaelis und Matthias Betz. Vor einer Ratsentscheidung müsse deshalb eine Elternanhörung stattfinden.