Gefährliche Zentimeterentscheidung
Bremervörde. Sie blitzen verführerisch im Sonnenlicht, doch noch gilt es, die Füße im wahrsten Sinne des Wortes still zu halten: Die Eisflächen im Vörder Land sind nach Auskunft der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft (DLRG) Bremervörde noch nicht dick genug, um Schlittschuhfahrer und Co. zu tragen. „Es besteht Lebensgefahr!“, warnt der Ortsverein. Von Stefan Algermissen

Hinrich Brandt, Vorarbeiter bei der Natur- und Erlebnispark GmbH in Bremervörde, misst die Eisdicke am Vörder See in Bremervörde. „Noch ist das Eis erst vier Zentimeter dick“, sagt Brandt. Mindestens 15 müssten es sein. Wenn es nach ihm ginge, sollte jedoch nie jemand auf dem See Schlittschuh laufen: „Durch die warmen Quellen, kann es immer sein, dass das Eis stellenweise viel zu dünn ist.“ Foto: Algermissen
Dank der frostigen Temperaturen der vergangenen Tage sind viele Seen inzwischen zum Teil zugefroren. Die DLRG warnt jedoch eindringlich vor dem Betreten. „Bevor Seen, Bäche oder Flüsse nicht von der Stadt oder den Gemeinden freigegeben sind, sollten diese auch nicht betreten werden“, lautet die klare Ansage der Lebensretter.
Zwar gibt es keine einheitliche Angabe, ab welcher Dicke Eis tragfähig ist, doch als Faustformel gelten 15 Zentimeter auf Seen. In fließenden Gewässern sollte das Eis noch dicker sein. Den Vörder See in Bremervörde gibt die Stadt grundsätzlich nicht frei. Das Betreten ist immer auf eigene Gefahr. Hinrich Brandt, Vorarbeiter bei der Natur- und Erlebnispark (N&E) GmbH, misst jedoch täglich die Eisdecke. Gestern waren es vier Zentimeter. „So bringt der Frost nicht viel“, sagt der Experte. „Wenn es nachts kälter als minus zehn Grad sind, kann der See in drei bis vier Tagen 15 Zentimeter und mehr haben.“ Doch mit Schlittschuhen auf die Eisfläche würde sich der N&E-Mitarbeiter trotzdem nicht wagen. „Wenn es nach mir ginge, wäre das verboten. Der See hat zu viele warme Quellen, deshalb kann die Eisdecke an manchen Stellen viel zu dünn sein, obwohl sie stellenweise vielleicht 20 Zentimeter hat.“
Was die DLRG rät
Selbst für den Fall, dass Gewässer offiziell freigeben sind, rät die DLRG zur Vorsicht. Eltern sollten zudem ihre Kinder über die Gefahren informieren. Grundsätzlich, heißt es, sollten sich Wintersportler nur an bewachten Gewässern und nie allein aufs Eis wagen. Dunkle Stellen würden verraten, dass das Eis an diesen Stellen viel zu dünn sei. Die DLRG: „Wenn das Eis knistert und knackt, am besten flach hinlegen, um das Gewicht zu verteilen und in Bauchlage Richtung Ufer bewegen!“ Besondere Vorsicht sei auf verschneiten Eisflächen und an bewachsenen Uferzonen geboten. Extrem tückisch seien Seen, die von Bächen oder Flüssen durchzogen sind. Wer sich aufs Eis wagt, sollte sich vorher nach geeigneten Rettungsmitteln umsehen. Bei einem Einbruch sind auch ein umgedrehter Schlitten, eine Leiter oder ein Seil laut DLRG geeignete Hilfsmittel. Im Notfall sei schnelle Hilfe geboten, weil der Verunglückte zu unterkühlen droht. Helfer sollten bei der Rettung einen Sicherheitsabstand zur Einbruchstelle einhalten und sich gegenseitig auf dem Bauch liegend durch eine Rettungskette sichern. Wird jemand aus dem kalten Wasser gerettet, solle grundsätzlich ein Arzt konsultiert werden.