Wie weit die Meinungsbildung zumindest in der SPD-Fraktion bereits gediehen ist, machte Volker Kullik gestern deutlich. „Generell begrüßte die SPD-Kreistagsfraktion die Förderung regenerativer Energien, wie den Ausbau der Biogasnutzung“, sagte Kullik, während sich Landvolkvorsitzender Heinz Korte auf den Zuschauerrängen Notizen machte. Der Landkreis Rotenburg verfüge nach Cloppenburg bereits über die zweithöchste Anlagenanzahl im Land, betonte Kullik. Welches Image die Region Cloppenburg habe, gab Kullik zu bedenken und verwies auf den viel beachteten Dokumentarfilm „Und ewig stinken die Felder“, der bereits in den 80er Jahren eine kritische Diskussion über die industrielle Landwirtschaft ausgelöst habe. Vor allem vor dem Hintergrund der touristischen Entwicklungschancen sei zu bedenken, welche Gefahren für die Außenwirkung des Kreises eine wenig restriktive Genehmigungspraxis von Biogasanlagen haben kann.
Schon jetzt sei eine drastisch sinkende Akzeptanz für die Errichtung neuer Anlagen nicht nur bei den Naturschutzverbänden im engeren Sinn, sondern auch bei Jägern, Imkern und in landwirtschaftlichen Kreisen selbst zu verzeichnen. Auch in mehreren Kommunen des Landkreises werden derzeit zum Teil heftige Diskussionen geführt, betonte Kullik. Vor diesem Hintergrund stellte er den Antrag, die Genehmigung neuer Biogasanlagen bis auf Weiteres auszusetzen. Unter anderem sieht der Antrag vor, dass der Landkreis analog dem Kriterienkatalog für Windkraftanlagen ein Konzept zur regionalplanerischen Steuerung für das Genehmigungsverfahren von Biogasanlagen erarbeitet.
Die beim Landkreis Rotenburg installierte „Kooperationsinitiative Bioenergie“ möge sich kurzfristig auf Mindestkriterien (zum Beispiel Nutzungsmöglichkeit der Abwärme, sensible Bereiche als Ausschlussgebiete) für die Errichtung neuer Anlagen verständigen, forderte der Umweltexperte der SPD-Fraktion.