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„Lücke verschärft Notwendigkeit für Citymanager“

Bremervörde. Ausgerechnet am Tag der Verleihung des Degener-Preises wurde die Personalie bekannt: Fachbereichsleiterin Bianka Zydek (Foto), die den Bremervörder Wirtschaftspreis maßgeblich vorbereitet hat, verlässt das Rathaus Bremervörde. Zwischen, Lob, Bedauern und Verständnis – so lassen sich die ersten Reaktionen auf den Weggang von Bianka Zydek auf den Punkt bringen. Doch wirft der Weggang der Expertin für Wirtschaftsförderung, Tourismus und Kulturarbeit auch Fragen auf, die eine neue Dynamik in die Diskussion um das Citymanagement bringen – und auch den Führungsstil des Bremervörder Bürgermeisters berühren. Von Thomas Schmidt

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Wie gestern berichtet, wechselt Bianka Zydek als Geschäftsführerin zum Tourismusverband Landkreis Stade/Elbe mit Sitz in Grünendeich. Bürgermeister Eduard Gummich betonte gestern auf Anfrage der BZ-Redaktion, dass er den Weggang von Zydek zutiefst bedauere. „Frau Zydek hat eine hervorragende Arbeit für die Stadt und die Natur- und Erlebnispark GmbH geleistet. Sie hat ihre Fußspuren in Bremervörde hinterlassen.“ Mit Blick auf die Diskussion um die Installierung eines Citymanagements unter Federführung der Bremervörder Kaufmannschaft auf Vereinsbasis sieht Gummich jetzt eine neue Situation auf die Stadt zukommen.

„Einerseits soll und muss ich Personalkosten sparen, andererseits möchte die Kaufmannschaft mehr Verantwortung für die Wirtschaftsförderung übernehmen“, sagte der Bürgermeister. Natürlich mache er sich vor diesem Hintergrund Gedanken, bestimmte Arbeitsgebiete der Wirtschaftsförderung außerhalb des Rathauses anzusiedeln, etwa die „Organisation von Märkten und Messen“, während das Kerngeschäft der Wirtschaftsförderung weiter im Rathaus angesiedelt werden sollte. Bei der Nachfolgeregelung könne er sich eine „interne Lösung“ vorstellen.

Dass es wegen Gummichs Führungsstil Differenzen zwischen Zydek und ihm gegeben habe, wollte der Bürgermeister indes nicht bestätigen. „Ich habe mit Frau Zydek hervorragend zusammen gearbeitet. Ich konnte mich blind auf sie verlassen.“ Gleichwohl werfe der Weggang der Fachbereichsleiterin ein Licht auf ein grundsätzliches Problem der Gehalts- und Besoldungsstruktur in öffentlichen Verwaltungen: „Es ist immer schwer, gutes Personal in die Verwaltung zu holen und auch zu halten.“ Aus beamten- und tarifrechtlichen Gründen gebe es jedoch bei Besoldungs- und Entgeltfragen wenig Spielräume für besonders qualifizierte Mitarbeiter. Auch Boris Thomas von der Wirtschaftsgilde Bremervörde bedauert den Weggang von Zydek: „Es ist ein Verlust für die Zusammenarbeit mit dem Rathaus. In den letzten Jahren hat es gerade Frau Zydek verstanden, unsere Projekte wie die Lehrstellenmesse oder den Bremervörder Wirtschaftspreis sehr professionell und erfolgreich zu führen. Wir als Wirtschaftsgilde wünschen ihr aber natürlich alles Gute für ihre weitere berufliche Zukunft.“

Die jetzt entstehende Lücke im Rathaus verschärft nach Ansicht des jüngsten Trägers des Bremervörder Wirtschaftspreises die Notwendigkeit für einen Citymanager. Thomas: „Denn wer soll sich denn jetzt um die Belange der Bremervörder Wirtschaft kümmern? Wir sollten die Aufgabenverteilung zwischen Rathaus und Wirtschaft klarstellen und endlich das Citymanagement auf den Weg bringen.“ Sein Dank gelte Frau Zydek für die langjährige gute Zusammenarbeit. „Wir schauen jetzt zum Rathaus unserer Stadt und erwarten Antworten, wie es dort weiter gehen soll.“

Die Politik ist gefordert. Erste Signale aus den Fraktionen lassen eine Intensivierung der monatelangen Debatte um das Stadtmarketing erkennen: „Unsere Fraktion bedauert den Weggang von Frau Zydek; zum zweiten Mal verliert die Stadt Bremervörde eine innovative und begabte Kraft im Bereich Wirtschaftsförderung und Tourismus“, bedauerte Dr. Johannes Klotz (WG Pro Bremervörde) – auch mit Blick auf Zydeks Vorgängerin Kerstin Maack. Zydek hätte nach Einschätzung von Klotz bei der Neuausrichtung der Stadtentwicklung noch eine zentrale Rolle spielen können, zu der viel Gestaltungsfreiheit gehöre. „Die Entwicklung des Tourismus und der Kultur in Bremervörde braucht dafür eine kreative Persönlichkeit.“

In Bezug auf das Citymanagement ergeben sich nach Einschätzung von Dr. Klotz „nun Chancen für eine Neuordnung der Aufgabenverteilung“. Ein selbständiges Citymanagement müsse verbunden werden mit der Wahrnehmung der öffentlichen Aufgaben durch die Stadt und das könnte bedeuten, grundsätzlich auch die kommunalen Unternehmen der Stadt (N&E GmbH) oder von Beteiligungen (Jugendhotel „Ostel“) neu zu orientieren. Auch CDU-Fraktionschef Frank Pingel bedauert den Weggang Zydeks, die ihren Fachbereich kompetent geleitet habe. Sie habe viel für die Außendarstellung der Stadt geleistet. Mit geringen Kosten sei es ihr gelungen, eine überzeugende Werbelinie zu entwickeln. Die Diskussion um das Citymanagement müsse jetzt eine neue Dynamik bekommen, um die Stadt voranzubringen, fordet Pingel. Die Organisatoren aus der Kaufmannschaft sind jetzt angehalten, die Vereinsgründung mit noch mehr Energie weiter voranzutreiben.

SPD-Fraktionschef Heinrich Tiedemann ist sich einig mit Pingel und Gummich, dass bei der Neuverteilung Arbeitsgebiete wie „Märkte und Messen“, bei dem noch zu gründenden Verein fürs Citymanagement angesiedelt werden können. Tiedemann zeigte sich enttäuscht, dass er „so eine wichtige Personalie wie den Weggang von Frau Zydek“ aus der Bremervörder Zeitung erfahren musste, zumal er am Freitag gleich zweimal im Rathaus zu tun gehabt habe.

Auch wenn es niemand öffentlich bekunden mag, wird doch hinter vorgehaltener Hand unter Kaufleuten und Politikern geraunt, dass nach Kerstin Maack jetzt offenbar Bianka Zydek aus dem Rathaus „geflohen“ sei. „Scheinbar gelingt es der Führung nicht, die Mitarbeiter zu binden und zu begeistern. Personalfluktuation ist immer Führungsschwäche“, sagte ein Kaufmann.

Artikel vom 29.05.10 - 07:03 Uhr
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