Ein entsprechender Planungsauftrag ist jetzt an den Niedersächsischen Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) ergangen.
Seitens des Ministeriums sei das NLWKN beauftragt worden, noch fehlende Gutachten einzuholen und bis Herbst so zu planen, dass allen Interessen Rechnung getragen werde – insbesondere mit Blick auf die Belange des Hochwasserschutzes, der Landwirtschaft, der Fischerei und des Naturschutzes.
Das NLWKN solle bei der Suche nach einer Kompromisslösung Gespräche mit allen Beteiligten führen, betonte die Sprecherin des Ministers. Ziel des Ministeriums ist nach Kremer-Heyes Worten, dass die bauliche Umsetzung langfristig zu einer kostengünstigen Lösung führe und dass aus ökologischer Sicht „die Durchlässigkeit der Oste gewährleistet ist, wobei der Hochwasserschutz und die Landwirtschaft hohe Priorität genießen“. Wie ausführlich berichtet, haben in den vergangenen Wochen sowohl Vertreter des Stadtrats Bremervörde als auch des NABU-Kreisverbandes, der Landwirtschaft und des Fischereisportvereins Bremervörde die Pläne im Ministerium mit großer Sorge verfolgt.
Auf Anfrage der BZ bekräftigte Bürgermeister Eduard Gummich noch einmal seine Forderung, dass der Hochwasserschutz absolute Priorität habe. Beim nächsten Behördentermin mit dem NLWKN werde er das unmissverständlich deutlich machen, sagte Gummich.
„Ich begrüße den vom Ministerium erteilten weiteren Planungsauftrag“, reagierte NABU-Kreisvorsitzende Uwe Baumert, der auch stellvertretender Landesvorsitzender seines Verbandes ist, auf die jüngsten Signale aus Hannover. Damit sei die drohende Schnellentscheidung „Wehr weg – Wasser weg – Kulturlandschaft weg“ abgewendet. „Ein taktisches Zwischenziel ist erreicht, nämlich die Untersuchung verschiedener Lösungsansätze. Sohlgleite, Beibehaltung des Wehrs mit integriertem Fischaufstieg sowie Umflutungsgerinne sind jetzt wieder in der Diskussion“, interpretiert der Natürschützer auf Anfrage der Redaktion die jüngsten Signale aus dem Ministerium.
Alle angedachten Maßnahmen erfordern jetzt nach Einschätzung Baumerts Vorsorgemaßnahmen, wie etwa die Vermeidung der Absenkung des Grundwasserstandes oder Untersuchungen zur möglichen Entwicklung in der Fläche. Das bedeute beispielsweise eine verbesserte Durchgängigkeit der Entwässerung sowie eine Neuberechnung der Grabensysteme.
„Verhindert werden muss weiterer Grünlandumbruch und Ackernutzung bis an die Uferränder der Oste einschließlich der Nebengewässer wie Bever, Otter und Twiste. Wir Menschen, die Natur, unser Gemeinwesen müssen Vorrang haben vor den Interessen Einzelner“, fordert der NABU-Vize-Landeschef aus Deinstedt.
Strategisches Endziel müssten die Durchgängigkeit der Oste und der Erhalt der Kulturlandschaft sein. „Ich sehe einer Entscheidung des Ministeriums recht gelassen entgegen. Die rechtliche Lage durch europäisches und deutsches Recht ist eindeutig, insbesondere durch die so genannten Verschlechterungsverbote sowohl in der Wasser-Rahmen-Richtlinie als auch in der FFH-Richtlinie (Flora-Fauna-Habitatrichtlinie)“, sagte der NABU-Mann. Er vertraue den Entscheidungsträgern, dass sie nicht bewusst gegen zwei gesetzliche Grundlagen verstoßen wollen.“
Mit großem Misstrauen verfolgt dagegen der Vorsitzende des Fischereisportvereins Bremervörde, Jürgen Höft, die Planungen. Wenn das Wehr verschwindet, drohe eine Versumpfung der Nebenarme der Oste, betont Höft. Er fürchtet, dass das Fischereirecht, das sein Verein seit 1976 innehat, durch die Hintertür ausgehebelt werde. Dass dagegen für Landwirte, die für die Bewirtschaftung der feuchten Auewiesen an der Oste ohnehin einen Erschwernisausgleich bekämen, der Wasserstand abgesenkt werde, ist in Höfts Augen ein Unding.
Gelassen blickt Wilhelm Bredehöft, Geschäftsführer vom Landvolk Bremervörde, auf die Planungen. Doch bevor die Pläne des NLWKN nicht konkret sind, werde sich das Landvolk mit einer Stellungnahme zurückhalten. Auf alle Fälle könne nicht davon die Rede sein, dass Landwirte die Wiesen links und rechts der Oste zu Ackerland umbrechen werden, betonte Bredehöft, der jetzt auf den 31. Juli blickt. Dann besucht Umweltminister Sander das Landvolk Bremervörde und man werde die Position der Bauern deutlich zur Sprache bringen.
Bei der komplexen Interessenlage einen Königsweg zu finden dürfte dem NLKWN, dem Betreiber der Wehranlage, nicht leicht fallen. Schließlich verursacht die Unterhaltung von derlei Anlagen auch Kosten, wie der Bremervörder Wasserbau-Experte Manfred Mühler betont. Das NLWKN wäre aber auch weiterhin als Verantwortlicher für die Einstellung der Stauhöhe ständig in dem Konflikt, der sich nun einmal aus den Befürwortern eines hohen Wasserstandes (Fischereisportverein, Naturschutzverbände, Tourismus) und den Befürwortern eines niedrigen Wasserstandes (Unterhaltungsverband, Wasser- und Bodenverbände, Landwirte an ufernahen Flächen im Oberlauf) ergebe, sagt Diplom-Ingenieur Mühler.
„Um diesem Konflikt zu entgehen, wäre die einfachste Lösung, eine feste Wehrkrone in Form einer Sohlgleite mit integriertem Fisch-Aufstieg, die nicht mehr verändert werden kann und auch nicht mehr zu unterhalten werden braucht, zu installieren“, schlägt Mühler vor. Dann wäre dieser Konflikt für das NLWKN gelöst, betont der Diplom-Ingenieur für Wasserbau. Dass sich dadurch aber neue Konflikte für die Anlieger und Oberlieger ergeben, sei zwangsläufig, prognostiziert Mühler.
Und wie auch Höft gibt Mühler die möglichen Folgen einer Beseitiung des Wehres zu bedenken: „Die Beseitigung beziehungsweise die Verringerung der Stauhöhe durch den Bau einer Sohlgleite würde dazu führen, dass bestimmte Flussbereiche oberhalb des Wehres, etwa der Seitenarm zur Concordiabrücke bei niedrigen Wasserpiegellagen trocken fallen, das heißt versumpfen können.“