
„Wir wollen sachlich bleiben und in Ruhe die Berichte anhören“, bat Selsingens Samtgemeindebürgermeister Werner Borchers zu Beginn und wurde – zumindest weitestgehend – erhört. So konnte Christina Freifrau von Mirbach, stellvertretende Leiterin des staatlichen Gewerbeaufsichtsamtes in Lüneburg, den Ablauf des zum Bau nötigen Planfeststellungsverfahren in Ruhe erläutern.
Georg Grebmeyer vom Planungsbüro Aland in Hannover beschrieb, wie sein Unternehmen im Auftrag der Firma Kriete die umweltrelevanten Aspekte bei der Planung berücksichtigt habe, und Volker Schnibben vom Ingenieurbüro Dr. Born-Dr. Ermel in Achim stellte die Baupläne vor. Jürgen Cassier vom Landkreis beschrieb die Sicht des Landkreises, erläuterte die Gründe für einen Verkauf des Geländes.
Der Unmut der Bürger wurde in der Sporthalle, in der auf gemeinsamen Beschluss aller Beteiligten keine Plakate erlaubt waren, erst während der abschließenden Frage-und-Antwort-Runde so richtig deutlich. Daran konnte auch nicht ändern, dass Ingenieur Schnibben mitteilte, dass die Firma Kriete freiwillig auf die Einlagerung bestimmter, von den Bürgern besonders gefürchteter Bauschutt-Stoffe verzichten werde und sich mit den Bürgerinitiativen an einen „Runden Tisch“ setzen werde.
„Wer bezahlt mir meine Gesundheit?“, fragte eine Haaßelerin. Selsingens Bürgermeister Reinhard Aufdemkamp wollte wissen, wie sich die Firmeninhaber Drewes und Heiner Kriete ihre Zukunft vorstellen, wenn sie gegen den Willen der vielen Bürger eine Deponie gebaut haben. Natürlich kamen in den Fragen auch die Themen Giftstoffe, Grundwasserbelastung, Auswirkung auf Flora und Fauna zur Sprache. Die ausführlichen Antworten veröffentlicht die BZ in ihrer morgigen Ausgabe.
CDU-Kreistagsfraktionen zeigt sich überrascht
Bereits am Montagnachmittag hat sich die CDU-Kreistagsfraktion in Bremervörde mit den Plänen zur Bauschutt-Deponie in Haaßel befasst. Sie woll nun in Kürze einen Vertreter der Bürgerinitiative anhören, teilte Fraktionschef Heinz-Günther Bargfrede mit. Als Ende 2009 der Kreistag einstimmig den Verkauf von 10,7 Hektar an die Firma Kriete beschlossen habe, sei man davon ausgegangen, dass dort Bauschutt aus der Region entsorgt werden würde. „Was da jetzt im Raum steht, hat uns überrascht. Wir wollten keine Giftstoffe und keinen großen Berg“, versicherte Bargfrede und betonte: „Wir stehen hinter der Bevölkerung.“ (zz/oer)