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Zecken: Gemeine Blutsauger

Bremervörde. Klein und gemein: Mit einer Körpergröße von zwei bis drei Millimetern ist „Ixodes ricinus“ der Winzling unter den heimischen Blutsaugern. Der Gemeine Holzbock lauert im Unterholz und im Gebüsch auf seine Opfer. Zecken fühlen sich zurzeit bei dem feucht-warmen Wetter pudelwohl. Auch im Vörder Land wächst die Zeckenpopulation – und damit die Gefahr, sich mit Borreliose oder FSME zu infizieren.

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Für Förster Siegfried Rakowitz und seine Hündin „Alma“ gehören Zecken zum Berufsalltag. Mit langer Kleidung, Zeckenschutz-Spray und Repellents wappnen sich die beiden gegen Attacken durstiger Mikro-Vampire. Buse/Archiv

Forstoberinspektor Siegfried Rakowitz vom Forstamt Harsefeld spricht von einem „Zeckenjahr“: „Das milde Frühjahr hat das Wachstum der Zeckenpopulation begünstigt. Die Zecken sind von April bis Oktober aktiv.“ Bei Temperaturen unter sieben Grad fallen die achtbeinigen Parasiten in eine Art Winterstarre.

„Zecken sind im Unterholz, in Brombeeren, im Farn, im Naturgarten oder im Blumenbeet zu finden. Die Wahrscheinlichkeit, sich auf einem Waldweg eine Zecke aufzusacken, ist verhältnismäßig gering“, erläutert Rakowitz. Der Gemeine Holzbock hält sich überwiegend am Boden oder in der niedrigen Vegetation bis zu einer Höhe von 1,5 Meter auf. Dass Zecken sich von Bäumen fallen lassen, ist übrigens ein Ammenmärchen.

Gartenbesitzer, Freizeitsportler und Spaziergänger sollten sich nach dem Aufenthalt im Freien gründlich auf Zeckenstiche untersuchen. Besonders der Haaransatz, die Ohren, der Hals, die Armbeugen und Kniekehlen, der Bauchnabel und der Schambereich sollten sorgfältig untersucht werden. Die Zecke bevorzugt dünnhäutige, feuchte und gut durchblutete Stellen zum Blutsaugen. Erst wenn der Parasit vollgesogen ist, lässt er von seinem Wirt ab. Bis eine Zecke richtig satt ist, kann sie sich im Extremfall bis zu 15 Tage lang in ihr Opfer verbeißen.

Förster Siegfried Rakowitz setzt in seinem Berufsalltag auf lange, helle Kleidung und hohe Schuhe mit glatter Oberfläche. „Am besten man steckt die Hose in die Schuhe“, rät Rakowitz. Zusätzlich benutzt er ein Zeckenschutz-Spray. Seine Jagdhündinnen „Conny“ und „Alma“ lässt Rakowitz beim Tierarzt regelmäßig mit einem Repellent, einem zeckenabweisenden Mittel behandeln.

Entdeckt man trotz aller Vorbeugemaßnahmen einen Zeckenstich, sollte der Parasit so schnell wie möglich mit einer Pinzette oder einer so genannten Zeckenkarte entfernt werden. Die Zecke sollte nah an der Haut gegriffen und vorsichtig nach hinten herausgezogen werden. Wichtig ist, dass der Zeckenleib nicht zerquetscht wird. Grundsätzlich gilt: Je früher die Zecke entfernt wird, desto besser. Denn je länger der Parasit saugt, desto größer ist das Infektionsrisiko. Öl, Klebstoff, Alkohol oder Nagellackentferner sind beim Entfernen der Zecke absolut tabu. Durch den Stress setzt das Tier dabei möglicherweise erregerhaltige Sekrete in noch größeren Mengen frei.

Über den Speichel der Zecke können Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) und Borreliose auf den Menschen übertragen werden. „Der Landkreis Rotenburg ist ein reines Borreliose-Gebiet. FSME kommt hier oben im Norden noch nicht vor“, sagt Siegfried Rakowitz. Zu den FSME-Risikogebieten zählt der gesamte Süden Deutschlands. „Mittlerweile sind auch Hessen und Süd-Niedersachsen Risikogebiet“, ergänzt Rakowitz. Das FSME-Gebiet dehnt sich seit Jahren stetig von Süden gen Norden aus. „Wer zum Beispiel in Bayern oder Baden Württemberg Urlaub machen will, sollte sich vorher gegen FSME impfen lassen. Im Landkreis ist eine Impfung noch nicht erforderlich“, so Förster Siegfried Rakowitz. Weitere Risikogebiete sind Österreich, Ungarn (vor allem im Bereich des Plattensees), Polen, Tschechien, Slowakei, Russland, Litauen, Lettland, Estland, Albanien und auf dem Balkan sowie in Skandinavien. Die Frühsommer-Meningoenzephalitis ist eine Hirnhautentzündung, die durch das FSME-Virus ausgelöst wird. Das Virus greift das zentrale Nervensystem an und kann in Extremfällen zum Tod führen.

Wesentlich wahrscheinlicher ist es, sich im Vörder Land mit „Borrelia burgdorferi“, einem Schraubenbakterium, zu infizieren. „Ich kenne allein drei Kollegen, die eine Borreliose hatten“, fügt Förster Rakowitz hinzu. Schätzungen des Robert-Koch-Instituts zufolge erkranken jedes Jahr 100.000 Menschen in Deutschland an Borreliose.

Charakteristisch für die Zeckenborreliose oder die Lyme Disease ist ein unklares Krankheitsbild. „Aufgrund der vielen unterschiedlichen Symptome ist eine Diagnose oft schwierig“, erläutert Siegfried Rakowitz. Typisch für eine Borreliose ist die so genannte Wanderröte, eine ringförmige Hautrötung um den Zeckenstich. Allerdings können auch Fieber, Müdigkeit oder Kopfschmerzen Anzeichen einer Borreliose sein. „Einen Borreliose-Impfstoff gibt es für Menschen nicht. Hunde können gegen Borreliose geimpft werden. Die Wirkung des Impfstoffes ist allerdings umstritten“, so Rakowitz. Eine rechtzeitig erkannte Borreliose lässt sich heutzutage mit Antibiotika gut behandeln. Wer einmal eine Borreliose hatte, ist nicht immun. Ein Stich einer infizierten Zecke kann eine erneute Borreliose auslösen.

Trotz vermehrter Zeckenaktivität und somit gesteigerter Paarungschancen warnt Förster Siegfried Rakowitz vor Panikmache: „Wer sich viel in der Natur aufhält, sollte die Vorbeugemaßnahmen beachten. Ich würde nicht bei jedem Zeckenstich sofort zum Arzt rennen. Allerdings sollte man die Einstichstelle in jedem Fall weiter beobachten.“

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Für Förster Siegfried Rakowitz und seine Hündin „Alma“ gehören Zecken zum Berufsalltag. Mit langer Kleidung, Zeckenschutz-Spray und Repellents wappnen sich die beiden gegen Attacken durstiger Mikro-Vampire. Buse/Archiv
Artikel vom 22.07.09 - 10:00 Uhr
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