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Zeitzeugen erinnern sich

sandbostel. Aus Anlass des Jahrestages der Befreiung des Kriegsgefangenen- und KZ-Auffanglagers Stalag XB am 29. April 1945 durch britische Truppen veranstaltet die Stiftung Lager Sandbostel jährlich eine Gedenkfeier auf dem Kriegsgräberfriedhof und in der ehemaligen Lagerküche der Gedenkstätte Sandbostel. Im Mittelpunkt der diesjährigen Gedenkfeier stehen insbesondere die sowjetischen Kriegsgefangenen, die zwischen 1941 und 1945 im Lager Sandbostel oder den zahlreichen Arbeitskommandos zwischen Elbe und Weser litten und ihr Leben verloren.

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Das Schicksal der sowjetischen Kriegsgefangenen steht im Mittelpunkt der diesjährigen Gedenkfeier.

Die Feier beginnt am Freitag, 29. April, um 16.30 Uhr mit einer russisch-orthodoxen Andacht auf der Kriegsgräberstätte in Sandbostel. Sie wird von einem Priester und dem Chor der russisch-orthodoxen Kirchengemeinde des Heiligen Johannes von Kronstadt zu Hamburg gehalten.

Als Gastredner begrüßt die Stiftung neben dem CDU-Landtagsabgeordneten und ehemaligen niedersächsischen Landwirtschaftsminister Hans-Heinrich Ehlen (CDU) auch Dmitry Lomonossov, der ab 1944 im Stalag XB als Kriegsgefangener interniert war.

Weitere ehemalige Kriegsgefangene werden an der Gedenkveranstaltung teilnehmen, so der belgische Soldat Roger Cottyn, der seine fünfjährige Gefangenschaft in einem eindrucksvollen Bericht festgehalten hat. Auch der ehemalige Zivilinternierte Harry Callan wird zu Gast sein. Er wurde 1941 als Hilfskoch bei einem Angriff der deutschen Kriegsmarine an Bord eines britischen Fracht- und Passagierschiffes gefangen genommen und über Bordeaux und Bremervörde nach Sandbostel gebracht.

Ein letztes Mal wird laut Pressemitteilung der Stiftung Lager Sandbostel der 95-jährige ehemalige britische Militärarzt Hans Engel an der Gedenkfeier teilnehmen. Als Zeitzeuge schildert Engel Versuche der britischen Armee, das Leben Tausender KZ-Häftlinge aus Neuengamme zu retten, deren Leidensweg nach oft wochenlanger Odyssee im April 1945 im Lager Sandbostel endete.

Als Vertreter ihrer Nationen werden die Konsuln der Generalkonsulate aus Serbien, Kroatien, der Ukraine sowie der russische Botschaftssekretär Wladimir Kukin aus Berlin an der Gedenkfeier teilnehmen.

Die Veranstaltung wird von Schülern des Gymnasiums Harsefeld mitgestaltet. Sie haben sich des Schicksals der sowjetischen Kriegsgefangenen im Lager Sandbostel angenommen. Unterstützt werden sie von einem Schulreferenten des Volksbunds Deutsche Kriegsgräberfürsorge und der Kreisbildstelle in Bremervörde. Um 17.30 Uhr präsentieren die Schüler in der ehemaligen Lagerküche einen von ihnen erstellten Film. Die Gedenkfeier endet mit einem Gottesdienst in der evangelischen Lagerkirche, der um 19 Uhr von Pastorin Maike Selmayr (Kirchengemeinde Selsingen) gehalten wird.

Vor 70 Jahren, am 22. Juni 1941, überfiel die deutsche Wehrmacht die damalige Sowjetunion. Die sowjetischen Kriegsgefangenen sollten im Rahmen der nationalsozialistischen Rassenideologie vernichtet werden. Innerhalb weniger Monate verloren Millionen sowjetischer Soldaten in den provisorischen Frontlagern in einem bewusst herbeigeführten Massensterben durch fehlende Versorgung und brutale Massentötungen ihr Leben.

Ideologische Propaganda sollte die Bevölkerung des Deutschen Reiches und die Wachmannschaften in den Kriegsgefangenenlagern gegen die sowjetischen Kriegsgefangenen einnehmen. Mit Gesetzen und Befehlen wurde angeordnet, wehrlose Kriegsgefangene zu vernichten.

„Im Oktober 1941 kamen die ersten Züge mit Kriegsgefangenen auf dem Bremervörder Bahnhof an“, erläutert die Stiftung Lager Sandbostel den historischen Kontext. Viele von ihnen hatten die wochenlangen Transporte ohne Versorgung nicht überlebt. Hunderte starben täglich in den harten Wintermonaten 1941/1942 an Fleckfieber oder Entkräftung in den für sowjetische Kriegsgefangene abgeteilten Baracken des Kriegsgefangenenlagers Sandbostel.

„Viele Bürger der Region erinnern sich noch heute an die täglichen Transporte der unterernährten, bedauernswerten sowjetischen Gefangenen“, heißt es in einer Mitteilung der Stiftung. In der Gedenkstätte Lager Sandbostel werde beispielsweise dokumentiert, dass Versuche der Bevölkerung, den ausgehungerten sowjetischen Kriegsgefangenen Nahrungsmittel zuzustecken, schwer bestraft wurden.

„Die fehlende medizinische Versorgung forderte weitere Opfer. Die sowjetischen Kriegsgefangenen stellten auch nach 1941 die größte Gruppe der Kriegsgefangenen im Lager“, heißt es weiter. Der ab 1942 verordnete Einsatz in der Landwirtschaft und den kriegswichtigen Betrieben habe das Los der Kriegsgefangenen nur unwesentlich verbessert. Die sowjetischen Kriegsgefangenen „starben weiter und wurden in Sandbostel oder an den Standorten der Arbeitskommandos oft anonym in Massengräbern beerdigt“, teilen die Organisatoren der Gedenkfeier mit.

Erst seit kurzem seien die Archive in Russland geöffnet, so dass das Forscherteam der Gedenkstätte in Vorbereitung der Ausstellung 2013 genauere Angaben über die Zahl und die Namen einzelner Kriegsgefangener ermitteln könne. (bz/fs)

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Viele Bürger der Region erinnern sich noch an das Elend der Gefangenen.
Artikel vom 21.04.11 - 13:49 Uhr
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