
Saive trällert die Einlaufmusik in ein imaginäres Mikrofon. Wang Xi steht daneben und lacht. Die Stars sind entspannt. Boll, Süß und Co. tänzeln in die Arena, drehen unter Applaus ein paar Runden um den Tisch, kreisen die Arme, lockern sich. Gleich spielen sie gegen die Amateure Jürgen Jesse und Björn Müller aus Drochtersen, Matti von Harten aus Lunestedt und Dennis Riedewald aus Bremervörde. Schon beim Einschlagen reiben sich die Zuschauer verzückt die Augen.
Die Profis sind gnädig. Die vier Underdogs spielen mit so gut sie können. Dennis Riedewald trifft in seinem Viertelfinale auf Christian Süß, amtierender Deutscher Meister im Einzel und EM-Dritter 2010. „Er hat mich mitspielen lassen. Es hat riesigen Spaß gemacht und war ein Erlebnis fürs Leben. Alle Topleute waren sehr sympathisch“, sagt der 33-jährige Landesligaspieler des TSV Bremervörde nach seiner Drei-Satz-Niederlage (4:11, 6:11 und 9:11) gegen Süß.
Zwei Tage zuvor hat ein Verbandsligaspieler das Kunststück fertiggebracht, Jean Michel Saive zu schlagen. Saive erzählt nicht viel von diesem Auftritt. Nur, und das ein wenig zynisch, dass der Sieg des Unbekannten bestimmt gut für die Show war. Der Gegner wollte wohl keine Show und spielte verbissen auf Sieg.
Saive ist der Spaßvogel der vier Profis. Im Halbfinale gegen Süss stöhnt er beim Abwehren der Schmetterbälle wie die Tennisspielerin Monica Seles in ihren besten Zeiten. Die Zuschauer quieken mit. Saive steckt die linke Hand in die Hosentasche, als er einen Ball von Süss retourniert. Fast gelangweilt holt er sich den Punkt. Saive diskutiert gerne, mit den Schiedsrichtern und dem Publikum. Vom Schiedsrichter bekommt er die Gelbe Karte, hinterm Rücken zeigt Saive dem Referee das Rot seines Schlägers. „Guten Appetit“ sagt er zu einem Jungen, der hinter der Bande Pommes isst, während er, Saive, die Bälle erläuft.
Zwölf Tage sind die Profis auf Tour durch Deutschland. Drochtersen ist der vorletzte Auftritt der Stars. Timo Boll sagt nach dem Turnier geschafft in der Umkleidekabine, das Programm schlauche und ginge an die Substanz. Die Stars spielen manchmal sechs Stunden pro Tag. Boll spielt nach der Tour in der chinesischen Liga, die anderen machen Urlaub.
Boll ist Zugpferd der Veranstaltung. Der 30-Jährige spielt mit einer Leichtigkeit, die die Gegner verzweifeln lässt. Das permanente Lächeln in seinem Gesicht verrutscht selbst während der Ballwechsel nur selten. (ST/db/mib)