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Oste hat für Stör Schlüsselfunktion

Rotenburg/Stade/Cuxhaven (sj). Bundeskanzlerin Angela Merkel und Umweltminister Norbert Röttgen geben morgen in einer Festveranstaltung den Auftakt zum „Internationalen Jahr der biologischen Vielfalt“, mit dem die Vereinten Nationen das Thema Artenreichtum weltweit ins öffentliche Bewusstsein rufen wollen. Die gemeinnützige Arbeitsgemeinschaft Osteland unterstreicht aus diesem Anlass die „Schlüsselfunktion“ des längsten niedersächsischen Nebenflusses der Elbe für die Erhaltung einer der meistbedrohten Fischarten des Kontinents, des Europäischen Atlantischen Störs (Acipenser sturio).

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Im Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei am Berliner Müggelsee werden Störe aus Frankreich gehalten, um eine Wiedereinbürgerung in Deutschland zu ermöglichen.

Experten scheint insbesondere der Oste-Bereich oberhalb des Bremervörder Wehrs „von potentieller Bedeutung“ für die Wiederansiedlung des urtümlichen Fisches, insbesondere für frühe Lebensstadien. Daher sollte „der Mittellauf in die weiteren Untersuchungen einbezogen werden“, heißt es.

Einst war der Stör in großer Zahl auch in der Oste heimisch. Heute steht er in seinem gesamten Verbreitungsgebiet unmittelbar vor dem Aussterben oder ist lokal bereits ausgestorben. Verschiedenen internationalen Abkommen und Konventionen zufolge zählt dieser Fisch heute zu den am stärksten bedrohten Tierarten Europas“. Daher werden für den seit 1998 streng geschützten Stör von der EU vorrangig Arterhaltungs- und Wiedereinbürgerungsmaßnahmen gefordert.

Das von Vertretern der Sportfischerei und der AG Osteland unlängst besichtigte Berliner Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei, das im Rahmen eines vom Bundesamt für Naturschutz geförderten Vorhabens im Frühjahr 2009 einen viel beachteten Versuchsbesatz mit Jungstören in der Oste vorgenommen hat, sieht sich vor zwei schwierige Aufgaben gestellt: Einerseits geeignete Gewässer für eine Wiedereinbürgerung ausfindig zu machen, andererseits durch Nachzucht genügend Jungtiere der Art bereitzustellen. Wie schwierig und wie dringlich diese Aufgaben sind, zeigt der Umstand, dass die Stör-Bestände außerhalb der Gironde in Frankreich, in der gerade noch rund 600 Tiere aller Alterklassen vermutet werden, „derzeit nicht mehr nachweisbar“ sind, so der Berliner Fischerei-Experte Dr. Jörn Geßner. Weil Frankreich nur eine „begrenzte Anzahl“ von Satzfischen zur Verfügung stellen kann, kommt der „Auswahl eines möglichst optimal geeigneten Gewässersystems“ nach Ansicht der Wissenschaftler besondere Bedeutung zu.

Für eine Eignung der Oste spricht der Umstand, dass dieser Fluss „nach den ersten Untersuchungen offenbar längere Verweilzeiten der Störe ermöglicht“, heißt es in einem der AG Osteland jetzt vorliegenden Bericht über „Erste Ergebnisse der Untersuchungen zu Wanderverhalten und der Habitatnutzung des Europäischen Störs in der Oste“.

Die Verfasser Jörn Geßner und Frank Fredrich konstatieren darin „eine gute Eignung des Flusses für die Jungfische im Rahmen der Untersuchung“. Fredrich hat auf der Oste mit Hilfe des Forschungsbootes „Acipenser“ das Verhalten der ausgesetzten, zum Teil markierten und mit einem implantierten Ultraschallsender versehenen Tiere wochenlang beobachtet.

Die Fische fühlten sich in der Oste offenbar wohl. „Die lange stationäre Phase des Aufenthaltes der Tiere wurde so in keinem anderen Gewässer beobachtet,“ heißt es in dem bislang unveröffentlichen Zwischenbericht. „Eine derartig intensive Nutzung des Lebensraums“ lasse nur den Schluss zu, dass der er sehr gut für die Ansprüche der beobachteten Tiere geeignet sei.

Im neuen Jahr sollte, so heißt es in dem Papier weiter, „die Nutzung der mittleren Oste untersucht werden, um deren potentielle Eignung als Jungfischhabitat zu bestimmen“. Eine Wiederholung der Arbeiten mit verschiedenen Größen der Tiere in den Jahren 2010 und 2011 scheine zur Absicherung der bisherigen Ergebnisse geboten.

Um die Oste und ihre Zuflüsse „fischdurchgängig“ zu machen, setzen die Artenschützer nicht nur auf Gemeinden wie Sittensen, das noch in diesem Jahr eine Querverbauung im Bereich der Wassermühle beseitigen will, sondern auch auf weitere staatliche und nichtstaatliche Unterstützung. Die Niedersächsische Bingostiftung hat für die Wiederansiedlung des Störs in der Oste kürzlich bereits rund 20 000 Euro bewilligt. Weitere Zuschussanträge laufen zur Zeit, wie der Vorsitzende des Wanderfisch-Arbeitskreises der Sportfischer, Wolfgang Schütz aus Osten, mitteilt.

In diesem Zusammenhang verweisen die Sportfischer und die AG Osteland auf eine entsprechende Klausel des Koalitionsvertrages zwischen CDU/CSU und FDP. Darin heißt es: „Frei fließende Flüsse haben einen hohen ökologischen Wert. Die Durchgängigkeit der Flüsse für wandernde Fische muss wiederhergestellt werden. Für den Natur- und Hochwasserschutz sollen natürliche Auen reaktiviert und Flusstäler, wo immer möglich, renaturiert werden.“

Um für die Rettung des Europäischen Störs zu werben, planen Angler und Artenschützer für die kommenden Wochen eine Informationsoffensive in den Oste-Landkreisen Cuxhaven, Stade und Rotenburg. Am Freitag, 19. Februar, 19 Uhr, referiert der Sportfischer-Vorsitzende Schütz in Clubhaus des Wassersportclubs Osten über die Wanderfische in der Oste einst und jetzt. Dazu liest Jochen Bölsche von der AG Osteland aus dem Buch „Über die Oste“.

Einen „Stör-Gipfel“ mit renommierten Experten veranstaltet die Oste-Pachtgemeinschaft (OPG) der Sportfischer am Sonnabend, 6. März, im Saal des „Großenwördener Hofs“ in Großenwörden. Ab 16 Uhr behandelt Professor Harald Rosenthal, Präsident der World Sturgeon Conservation Society (Weltgesellschaft zur Erhaltung des Störs), das Thema „Weltweiter Gefährdungsstatus der Störe und internationale Bemühungen zu ihrer Rettung“. Jörn Geßner beantwortet die Frage: „Was macht die Oste so besonders?“ Ralf Gros vom Niedersächsischen Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) referiert über „Möglichkeiten zur Umsetzung des 'Nationalen Aktionsplans zur Wiederansiedlung des Störs' in Niedersachsen“.

Artikel vom 10.01.10 - 22:00 Uhr
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