Lokales

Ortsrat gegen Dürerstraße

Uhr Von Rainer Klofkorn
Der Bremervörder Ortsrat sieht mehrheitlich keine Veranlassung, die Joseph-Salomon-Straße wieder in Dürerstraße umzubenennen. Foto: Algermissen

Bremervörde. Der Bremervörder Ortsrat ist mehrheitlich dagegen, die Joseph-Salomon-Straße im Stadtteil Engeo wieder Dürerstraße zu nennen. Auch dann nicht, wenn ein Fuß- und Radweg nach Salomon benannt würde.

Der Ortsrat lehnte auch den Vorschlag ab, bei einer Umbenennung den Fußweg am Oereler Kanal den Namen Salomonweg zu geben. Das war das Resultat einer internen Sitzung, die vor kurzem stattfand und über deren Ergebnisse der Engeoer Ludwig Most, der sich mit dieser Bitte an den Ortsrat wandte, schriftlich informiert wurde. Der Brief liegt der Redaktion vor.

Die Entscheidung des damaligen Ortsrates im Vorjahr, die Dürerstraße nach dem jüdischen Mitbürger Joseph Salomon zu benennen, der vor der nationalsozialistischen Verfolgung flüchten musste, war sehr umstritten. Über 350 Bürger, vor allem aus dem Stadtteil Engeo, protestierten auf einer Unterschriftenliste gegen den Beschluss und das Vorgehen des Ortsrates, dem sie Missachtung des Bürgerwillens vorwarfen.

Dem im September neu gewählten Ortsrat lag jetzt ein Schreiben von Ludwig Most vor, das er nach Absprache mit Freunden verfasst habe, so der ehemalige Lehrer auf Anfrage unserer Zeitung. In dem „Entwurf eines Antrages“ (Most) wurde angeregt, die Joseph-Salomon-Straße wieder Dürerstraße zu nennen. Im Gegenzug solle der Fußweg am Oereler Kanal künftig Salomonweg heißen. Damit werde die gesamte Familie Salomon gewürdigt, von denen viele in den Konzentrationslagern ihr Leben verloren hätten, und nicht nur ein einzelnes Familienmitglied.

Von pädagogischem Wert

Most argumentiert mit dem pädagogischen Wert einer Neubenennung. Zahlreiche Schüler würden den Weg zum Schulzentrum benutzen und könnten durch Hinweisschilder auf das Schicksal der jüdischen Familie aufmerksam gemacht werden. Das sei bei der Durchgangsstraße im Engeoer Wohngebiet nicht gegeben.

Für den Vorschlag gab es allerdings während der Probeabstimmung in der internen Ortsratssitzung keine Mehrheit. Mit acht gegen eine Stimme wurde er abgelehnt. Auch wenn der damalige Ortsratsbeschluss umstritten gewesen sei, so Ortsbürgermeister Frank Pingel (CDU) gegenüber der BZ, sei er doch juristisch und rechtlich vollkommen in Ordnung und sollte nicht aufgrund einer neuen Ratsmehrheit wieder verändert werden.

Auch die Anregung von Most, eine Einwohnerversammlung durchzuführen und eine eventuelle Straßenumbenennung zu thematisieren, lehnte der Ortsrat bei einer Gegenstimme ab. Pingel wies ihn allerdings schriftlich auf die Möglichkeit hin, über das Ortsratsmitglied der Wählergruppe Bremervörde/Engeo, Herbert Bardenhagen, diesen Antrag bei der nächsten Ortsratssitzung zu stellen oder bei Stadtbürgermeister Detlev Fischer (CDU) eine Versammlung anzuregen. Er, Pingel, sei auch gerne bereit, sich dabei der Diskussion zu dem Straßenthema zu stellen.

Most bedauert die Ablehnung des Ortsrates, nicht einmal eine Versammlung durchführen zu wollen. Schließlich sei der neue Ortsrat angetreten, die Fehler seines Vorgängerortsrates nicht zu wiederholen, sondern die Bürger Bremervördes zu informieren und an Entscheidungen zu beteiligen. Das werde jetzt außer acht gelassen. Er überlege deshalb, gemeinsam mit anderen oder auch über den Club Tingo zu einer Informationsveranstaltung einzuladen.

Unterstützung erfährt Most dabei durch Ortsratsmitglied Herbert Bardenhagen. Auch er erinnert an die Aussagen aller Parteien und Wählergruppen vor der Wahl, im Gegensatz zum vorherigen Ortsrat die Bürgerbeteiligung stärker im Blick zu haben. Das Thema Joseph-Salomon-Straße oder Dürerstraße sei dabei nur ein Thema. Es gebe auch noch andere Themen, so Bardenhagen, die mit den Bürgern diskutiert werden könnten.

Erst Bürgerversammlung

Sinnvoll sei es, meint Ludwig Most, dass der Ortsrat über seinen Antrag auf Umbenennung erst entscheide, wenn eine Bürgerversammlung stattgefunden habe. „Wenn die Bremervörder Bürger mit dem Status Quo weiter leben wollen, ist das ja in Ordnung und ich wäre bereit, keinen Antrag zu stellen“, so der Engeoer. Entscheide allerdings der Ortsrat ohne vorherige Bürgerbeteiligung über seinen Antrag und lehne diesen auch offiziell ab, seien alle anderen Variationen verbaut, befürchtet Most.

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