Lokalsport

Weltneuheit „Made in Gnarrenburg“

Uhr Michael Brinkmann
Hermann Nehring ist mit 83 Jahren der älteste Spieler der Gnarrenburger Bosselfreunde, die jetzt draußen trainieren können. Fotos: Brinkmann

Gnarrenburg. Nein, Bosseln hat nichts mit dem ostfriesischen Nationalsport zu tun. Bosseln und Boßeln (Klootschießen) werden nicht nur unterschiedlich geschrieben, es sind auch zwei völlig verschiedene Sportarten. Großen Spaß machen allerdings beide. In Gnarrenburg gibt es Bosseln schon seit mehr als drei Jahrzehnten. Übungs- und Spartenleiterin Renate Willen möchte die norddeutsche Variante des Eisstockschießens gerne aus dem Schattendasein ans Licht führen. Sie hat jetzt sogar eine Weltneuheit erfunden: Outdoor-Bosseln. Die BZ war bei einem Trainingsabend dabei.

Das Covid-19-Virus hat viele Sportler in den vergangenen Wochen und Monaten ziemlich ausgebremst. Das gilt und galt besonders für die Hallensportarten. Dazu gehört auch das Bosseln. Renate Willen wollte sich damit nicht so einfach abfinden. Vor einigen Wochen kam ihr der Gedanke, den Sport an die frische Luft zu verlegen. „Ich habe mich gefragt, ob man nicht die Kunststoffplatten vom Eisstockschießen unter unsere Bosseln bauen könnte“, berichtet die 55-Jährige. Die entscheidende Frage war nur, ob die Bosseln auch auf der Leichtathletik-Laufbahn rutschen würden. Da half nur Ausprobieren. Renate Willen telefonierte mit einer Firma in Bayern und bestellte eine Scheibe, um einen Prototypen zu bauen.

Neue Outdoor-Sportart
Volker Horst, Gerätewart und Tüftler bei den Bosselfreunden, schraubte die für die Halle mit Borsten versehene Platte auf seiner Drehbank kurzerhand runter und bohrte die Kunststoffscheibe drauf. Und siehe da: Das Ganze funktionierte, und eine neue Outdoor-Sportart war gleich mit erfunden – „Made in Gnarrenburg“. „Und das haut auch auf Asphalt hin“, freut sich die Übungsleiterin.

Bosseln ist dem Eisstockschießen ähnlich. Eine Bossel besteht aus einem abgeflachten, halbkugeligen Körper mit einem geschwun-genen Handgriff von etwa 20 Zentimeter Länge. Das Ziel ist die Daube (ein Holzwürfel) oder eine gegnerische Bossel. Zwei Mannschaften mit je vier Personen (drei Spieler, ein Mannschaftsführer) spielen gegeneinander.
Ein Spiel umfasst sechs Durchgänge, jeder Durchgang aus drei Würfen für jede Mannschaft. Die Würfe erfolgen abwechselnd zwischen beiden Mannschaften.

Das Spielfeld hat eine 16 Meter lange Wurfbahn und ein zwei Meter breites Zielfeld. Dabei ist es erlaubt, mit dem eigenen Wurf gegnerische Bossel aus dem Zielfeld herauszustoßen oder die Daube innerhalb des Zielfeldes in eine für den Gegner ungünstige und für die eigene Mannschaft günstige Stellung zu bringen. Alle Bosseln im Zielfeld erhalten Wurfpunkte. Die Bossel, die am dichtesten an der Daube liegt, erhält zwei Punkte.

Jetzt musste aber noch die für die Sportanlage zuständige Gemeinde davon überzeugt werden, dass der Laufbahn-Belag keinen Schaden nehmen würde. Es wurde ein Ortstermin anberaumt, so dass sich die Verwaltung überzeugen und ihr Okay geben konnte. Inzwischen treffen sich die Gnarrenburger Bossel-Sportler immer montags um 19 Uhr zum Training auf dem Sportplatz am Brilliter Weg.

Renate Willen freut sich, dass so quasi gleich „zwei Fliegen mit einer Scheibe“ geschlagen werden konnten. Zum einen sei man nicht mehr von Hallenterminen abhängig, zum anderen könne man jetzt den Sommer nutzen und draußen Sport treiben. „Ich hoffe, dass andere Vereine uns nacheifern werden“, sagt die Spartenleiterin.

Willkommener Nebeneffekt: Es gibt einen Übungsleiter-Zuschuss vom Landessportbund Niedersachsen für sechs Monate noch oben drauf, denn der LSB unterstützt wegen der Corona-Krise und den damit einhergehenden Beschränkungen den „Draußen-Sport“ mit einem Förderprogramm.

Renate Willen hat aber noch ein anderes Anliegen. „Wir möchten weg vom Image, dass das Bosseln nur etwas für ältere Menschen mit Handicap ist, auch wenn es hier seinen Ursprung hat und der Sport dem Behindertensportverband angeschlossen ist. Wir sind für alle offen“, betont die 55-Jährige. Sie hofft darauf, neue Mitspieler aller Altersklassen gewinnen zu können. Aktuell sind bei der Gnarrenburger Bossel-Gruppe, die in der Vergangenheit viele Erfolge auf Landesebene erzielen konnte, rund 18 Spielerinnen und Spieler regelmäßig dabei. Die Jüngste ist 26, Hermann Nehring ist der Älteste der Runde. Und er hat es immer noch drauf, wie sich beim Trainingsabend zeigt. Beeindruckend genau bringt der 83-Jährige die Bossel ganz nah an die sogenannte Daube ins Ziel.

Und so einfach, wie man auf den ersten Blick vermuten könnte, ist Bosseln in der Tat nicht. Das hat BZ-Redakteur Michael Brinkmann beim Trainingsabend im Selbstversuch erfahren. Die ersten Versuche gehen gleich mal daneben. Eine ordentliche Portion Kraft, eine gute Koordination sowie Technik sind gefragt, um das knapp viereinhalb Kilo schwere Sportgerät über die 16 Meter lange Bahn ins Zielfeld zu bringen. „Und natürlich auch Teamgeist“, wie Renate Willen erklärt, denn gespielt wird jeweils in Dreier-Teams plus Mannschaftsführer. Die Aufgabe als Spartenleiterin hat die 55-Jährige übrigens vor wenigen Jahren von ihrem Vater übernommen. Sigurd Hinck (78) war über 30 Jahre Leiter der Behindertensportabteilung, ebenso lange Fachwart beim Kreissportbund und fehlt nur ganz selten mal beim wöchentlichen Training der Gnarrenburger Bossel-Sportler.

Bosseln ist dem Eisstockschießen ähnlich. Eine Bossel besteht aus einem abgeflachten, halbkugeligen Körper mit einem geschwun-genen Handgriff von etwa 20 Zentimeter Länge. Das Ziel ist die Daube (ein Holzwürfel) oder eine gegnerische Bossel. Zwei Mannschaften mit je vier Personen (drei Spieler, ein Mannschaftsführer) spielen gegeneinander.
Ein Spiel umfasst sechs Durchgänge, jeder Durchgang aus drei Würfen für jede Mannschaft. Die Würfe erfolgen abwechselnd zwischen beiden Mannschaften.

Das Spielfeld hat eine 16 Meter lange Wurfbahn und ein zwei Meter breites Zielfeld. Dabei ist es erlaubt, mit dem eigenen Wurf gegnerische Bossel aus dem Zielfeld herauszustoßen oder die Daube innerhalb des Zielfeldes in eine für den Gegner ungünstige und für die eigene Mannschaft günstige Stellung zu bringen. Alle Bosseln im Zielfeld erhalten Wurfpunkte. Die Bossel, die am dichtesten an der Daube liegt, erhält zwei Punkte.
Den kompletten Artikel können Sie in der gedruckten Ausgabe und im ePaper der BZ lesen.

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