Dienstag, 20. April 2021

Vereinswechsel als logischer Schritt

Als Behrendt, dessen Vertrag bei der Arminia im Sommer 2021 ausgelaufen wäre, vor einer Woche den bis Sommer 2023 laufenden Kontrakt in Braunschweig unterzeichnete, war klar, dass es den Verteidiger rund 150 Kilometer weiter in Richtung Westen zieht. Von Ost-Westfalen nach Niedersachsen. Von der 1. in die 2. Bundesliga. Sportlich gesehen ein Abstieg, ist der Vereinswechsel wohl der einzig richtige Schritt. Denn mit einem Kreuzbandriss begann für Behrendt vor 16 Monaten eine sportliche Berg- und Talfahrt. Im August 2019 verletzte sich Behrendt in der Zweitligapartie der Arminia in Regensburg schwer. Bis dato unumstrittener Stammspieler und feste Säule in der Defensive, war der damals 27-Jährige zum Saisonbeginn plötzlich zum Zuschauen verdammt. Arzttermine statt Punktspiele, Reha statt Training.

In seiner Abwesenheit kletterte die Arminia an die Tabellenspitze, und dort stand sie auch noch, als die erste Welle der Corona-Pandemie im vergangenen März für die mehrwöchige Saisonunterbrechung sorgte. Für Behrendt, 2015 von Rapid Wien zur Arminia gekommen, kam die Pause fast sogar passend. Er war zu diesem Zeitpunkt gerade erst wieder voll ins Training eingestiegen, und so blieb ihm mehr Zeit, den Trainingsrückstand aufzuholen, um noch in der laufenden Saison sein Comeback zu feiern.

So kam es: Als die Saison im Juni fortgesetzt wurde und Bielefelds Aufstieg kurz danach in trockenen Tüchern war, feierte Brian Behrendt in den letzten Saisonspielen sein Comeback. Trainer Uwe Neuhaus gewährte dem Abwehrspieler Einsatzzeiten in der Liga, damit der sich langsam wieder Wettkampfhärte erarbeiten konnte. Am Saisonende durfte die Arminia nach elf Jahren die Rückkehr in die Bundesliga bejubeln, und Behrendts eigentlich auslaufender Vertrag verlängerte sich wegen einer im Aufstiegsfall geltenden Klausel um ein Jahr bis zum Sommer 2021. Auch in aktuelle Bundesliga-Saison lief es zunächst gar nicht schlecht für Behrendt, der einst über die Jugendabteilungen des Bremervörder SC und des TuS Heeslingen sowie die Nachwuchsleistungszentren des Hamburger SV und Rapid Wiens den Weg in den Profifußball fand. Trainer Uwe Neuhaus schien seinen Abwehr-Routinier wieder verstärkt auf dem Radar zu haben.

Vor dem Saisonstart sah es zunächst so aus, als könne sich Behrendt hinter den während seiner Verletzung zum Stamm-Innenverteidiger-Duo aufgestiegenen Amos Pieper und Joakim Nilsson als Innenverteidiger Nummer drei etablieren. Doch dann verpflichtete die Arminia auch noch den erfahrenen Niederländer Mike van der Hoorn von Swansea City.

Behrendt war plötzlich nur noch Innenverteidiger Nummer vier. Trainer Uwe Neuhaus schickte seinen genesenen Routinier lediglich in drei Partien als Einwechselspieler auf den Rasen. Ganze 77 Spielminuten plus Nachspielzeit kamen dabei zusammen. Bei Behrendts Bundesliga-Premiere am dritten Spieltag in der Heimpartie gegen den FC Bayern München waren es sieben Minuten. Am fünften und sechsten Spieltag folgten weitere 45 Spielminuten beim VfL Wolfsburg und 25 auf der Bielefelder „Alm“ gegen Borussia Dortmund. Weitere Einsätze blieben dem 29-Jährigen danach verwehrt.

Der im kommenden Sommer auslaufende Vertrag und die nicht eben rosigen Aussichten auf weitere Einsatzzeiten dürften Brian Behrendt, der mit seiner Lebenspartnerin und den zwei gemeinsamen Kindern in Bielefeld wohnt, zum Vereinswechsel motiviert haben. Nach fünfeinhalb Jahren auf der „Alm“ stehen für den 29-Jährigen 117 Einsätze in der Bundesliga, 2. Liga und im DFB-Pokal zu Buche.

Mehr als die nackten Zahlen verraten aber die Worte von Arminias Sport-Geschäftsführer Sami Arabi über den Fußballer Behrendt. „Brian war immer ein absoluter Musterprofi und ein Vorbild auf und außerhalb des Platzes. Daher war es für uns keine Frage, als er mit dem Wunsch eines Wechsels auf uns zukommen ist, dass wir ihm diesen neuen Weg ermöglichen“, sagte Arabi jetzt. Man danke Behrendt „herzlich für seinen Einsatz und seine Leidenschaft, die er in den letzten Jahren im DSC-Trikot gezeigt hat“. „Für die neue sportliche Aufgabe in Braunschweig wünschen wir ihm alles Gute, viel Glück und vor allem beste Gesundheit.

Bei der Eintracht aus Braunschweig, derzeit Tabellen-15. der 2. Liga, soll Brian Behrendt der Abwehr mehr Sicherheit geben und so zum Saisonziel Klassenerhalt beitragen. Denn die Defensive gilt bei 29 Gegentoren aus 13 Partien als Achillesferse der „Löwen“. Behrendt äußerte sich gegenüber den Medien in Bielefeld und Braunschweig zu seinem anstehenden Wechsel: „Ich gehe mit einem großen weinenden Auge, weil ich echt tolle Menschen kennengelernt habe und hier viele schöne Momente hatte“, sagte der 29-Jährige. Unabhängig davon freue er sich nun auf die Zeit bei der Eintracht.

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