Montag, 23. Mai 2022

„Fühle mich in Selsingen pudelwohl“

Der MTSV Selsingen ist aktuell der einzige Nordkreisverein in der Fußball-Bezirksliga. In der Corona-Saison 2019/2020 gelang über die Quotientenregel der Aufstieg. Nach der abgebrochenen Serie 20/21 hat die Mannschaft gute Chancen, auch 2022/23 in dieser Spielklasse zu bleiben. Im Interview mit der Bremervörder Zeitung äußert sich Trainer Daniel Ariens (41) zum bisherigen Abschneiden, zu den Aussichten und auch zu Corona. Die Fragen stellte BZ-Redakteur Michael Brinkmann.

Schon am 5. Februar steht das erste der drei noch ausstehenden Hinrundenspiele auf dem Programm. Seid ihr schon wieder im Training? Am 12. Januar sind wir wieder eingestiegen. Bis zum Punktspielstart am 5. Februar bleiben nur drei Wochen. Dies ist aber nicht problematisch, da durch die kurze Winterpause nicht viel an Substanz verloren gegangen ist.

Denkst Du, dass der Frühstart trotz anhaltender Corona-Pandemie realistisch ist? Dass wir am 5. Februar starten, kann ich mir durchaus vorstellen. Allerdings glaube ich nicht, dass die Saison wie geplant zu Ende gespielt werden kann. Wir haben insgesamt noch 13 Spiele zu absolvieren, andere Mannschaften müssen sogar noch 16 Mal ran. Das scheint mir aufgrund der derzeit hohen Infektionslage fast unmöglich. Jedes Wochenende wird es Mannschaften geben, die positiv geteste Spieler in ihren Reihen haben.

Hattet ihr zuletzt schon Corona- oder Quarantänefälle?

Wir sind zum Glück einigermaßen verschont geblieben. Einen Fall hatten wir in der Hinrunde, einen haben wir aktuell. Dies kann sich aber selbstverständlich schnell ändern, wie das Beispiel TSV Bassen zeigt. Dort sind derzeit sechs, sieben Spieler infiziert.

Wie managt ihr es mit den Corona-Tests? Mit den derzeitigen gesetzlichen Vorgaben wie 2G+ haben wir kaum Probleme. Beinahe alle Spieler sind „geboostert“ und müssen daher nicht mehr getestet werden. Grundsätzlich haben wir aber großes Glück, dass wir von der Alten Apotheke in Selsingen super unterstützt werden. Mitarbeiterinnen der Apotheke sind in den vergangenen Monaten zu uns auf den Sportplatz gekommen und haben die zum damaligen Zeitpunkt erforderlichen Tests durchgeführt. Dafür wollen wir uns auch an dieser Stelle noch mal herzlich bedanken.

Wie findest Du den Modus mit Auf- und Abstiegsrunde?

Grundsätzlich halte ich den Modus als Notlösung für angemessen. Allerdings zeigt sich zum Ende der Hauptrunde eine große Schwachstelle. Man nimmt nur die Punkte mit in die Abstiegsrunde, die gegen Gegner erzielt wurden, die auch in der Abstiegsrunde landen. Dies führt dazu, dass Mannschaften in den letzten Spielen anfangen zu taktieren. Wir hatten diesen Fall kurz vor der Winterpause gegen Sottrum. Für uns wäre es besser, wenn Sottrum in die Aufstiegsrunde kommt. Wir würden dann zwei Punkte mehr mit in die Abstiegsrunde nehmen. Dementsprechend wäre es ein Vorteil gewesen, gegen Sottrum zu verlieren. Wir haben aber alles gegeben und am Ende 1:1 gespielt. Sollte Sottrum hierdurch jetzt die Aufstiegsrunde verpassen, haben wir uns damit selbst geschadet. Es gab Zuschauer, die kurz vor Ende der Partie gesagt haben, wir sollen uns den Ball selber reinschießen. Sowas machen wir im Sinne des Sportsgeists aber nicht. Der Fehler liegt hier im System und sollte zur kommenden Saison korrigiert werden.

Aktuell steht deine Mannschaft auf dem 8. Platz. Wie fällt dein bisheriges Fazit aus? Wir sind durchaus zufrieden mit der Hinrunde. Wir sind als absoluter Underdog in das Abenteuer Bezirksliga gestartet. Es gab Leute, die prophezeit haben, dass wir nicht einen einzigen Punkt in dieser Liga holen. Jetzt haben wir 18 Punkte, 15 davon würden wir Stand jetzt mit in die Abstiegsrunde nehmen. Dies räumt uns realistische Chancen auf den Klassenerhalt ein.

Welches Spiel hat Dir 2021 besonders gut gefallen? Die Siege gegen RW Achim (3:2) und gegen Bassen (2:1) waren zwei absolute Highlights. Wie wir dort nach jeweiligen Rückstand zurück ins Spiel gekommen sind und welchen Einsatz und Willen wir dort an den Tag gelegt haben, war sensationell.

Über welche Partie hast Du dich geärgert? Das waren die Spiele gegen TSV Achim (1:3) und gegen Langwedel/Völkersen (0:2). Niederlagen gegen direkte Abstiegskonkurrenten sind grundsätzlich ärgerlich. Hinzu kommt aber, dass diese Niederlagen vermeidbar waren.

Ihr musstest wegen Verletzung zunächst auf Rückkehrer Tanis Metscher warten. Wie wichtig ist er für die Mannschaft?

Tanis ist für uns unheimlich wichtig. Nicht nur seine Qualitäten am Ball sind überragend, sondern auch seine Kommunikation auf dem Platz. Er spricht viel mit seinen Nebenleuten, coacht diese und gibt klare Anweisungen. Die genannten Niederlagen gegen TSV Achim und Langwedel/Völkersen wären nicht passiert, wenn Tanis dabei gewesen wäre.

Gibt es Spieler, mit deren Entwicklung Du besonders zufrieden bist?

Da ist auf jeden Fall Fabian Wodke zu nennen. Fabi hat eine sensationelle Hinrunde gespielt. Was für ein Laufpensum er auf der 10er-Position abliefert und wie er vorangeht, ist überragend. Zudem hat er sich auch im spielerischen Bereich enorm weiterentwickelt und tritt viel selbstbewusster auf. Weitere Spieler die positiv überrascht haben, sind Tim Viebrock und Kevin Brünjes. Beide haben sich zu absoluten Leistungsträgern entwickelt. Umso ärgerlicher, dass Fabian uns aufgrund von Knieproblemen voraussichtlich zu Beginn der Rückrunde fehlen wird und Kevin Brünjes wegen Nachwuchs nur noch eingeschränkt zur Verfügung steht.

Wo siehst du die größten Stärken deiner Mannschaft?

Fußballerisch sind die Defensivarbeit und das Spiel gegen den Ball hervorzuheben. Da machen alle hervorragend mit und versuchen, die Räume so klein wie möglich zu halten. Darüber hinaus ist die mannschaftliche Geschlossenheit ein großer Pluspunkt. Die Jungs kennen sich seit klein auf an und sind privat miteinander befreundet. Gegenüber Mannschaften, die jedes Jahr einer hohen Fluktuation ausgesetzt sind, kann dies in schwierigen Phasen der entscheidende Faktor sein.

In welchem Bereich siehst Du den größten Verbesserungsbedarf?

In der Chancenverwertung müssen wir konsequenter werden. Wir bekommen auf diesem Niveau keine zehn Großchancen pro Spiel. Da müssen dann die wenigen Chancen, die man bekommt, besser genutzt werden. Zudem reagieren wir im Ballbesitz oft noch zu hektisch. Hier müssen wir ruhiger und selbstbewusster werden. Die individuelle Qualität, diese Situationen besser zu lösen, ist grundsätzlich vorhanden.

Ihr habt im Herbst viele Spiele auf dem Nebenplatz gemacht, der keine Laufbahn hat, dafür aber Nähe zu den Zuschauern. Gibt es Überlegungen, ihn zum Hauptspielort zu machen?

Wir werden auch zu Beginn der Rückrunde wahrscheinlich öfter dort spielen müssen. Dies ist aber der Witterungsbeständigkeit geschuldet. Der Platz liegt höher und kann dadurch mehr Niederschlag ab. Sobald sich die Witterungslage und die Platzverhältnisse bessern, spielen wir wieder unten auf unserem Hauptplatz. Dort haben wir unsere Bandenwerbung und auch die Soccerwatch-Kamera. Außerdem ist der Platz dichter am Vereinsheim.

Werfen wir einen Blick in die Zukunft. In Anderlingen wird im Sommer ein Trainerjob frei. Bist Du vom Samtgemeinderivalen schon angerufen worden?

Nee. Ich glaube, das wird auch nicht passieren (lacht). Zumal ich mich in Selsingen pudelwohl fühle. Da brauchen keine anderen Vereine anklopfen.

Dann bleibt Daniel Ariens Trainer in Selsingen und deine Mannschaft in der Bezirksliga?

Ich werde auch in der kommenden Saison in Selsingen an der Seitenlinie stehen. Ob dies in der Bezirksliga oder Kreisliga sein wird, kann ich natürlich nicht vorhersagen. Sechs Absteiger sind natürlich schon ein Brett. Allerdings bin ich davon überzeugt, dass wir die Klasse halten werden.

Mit welchen neuen Spielern ist nach dem Sommer zu rechnen? Gibt es Talente im eigenen Nachwuchsbereich?

Aus dem derzeitigen Kader werden in der neuen Saison einige Spieler aus privaten oder beruflichen Gründen kürzertreten oder überhaupt nicht mehr zur Verfügung stehen. Diese Verluste gilt es zu kompensieren. Aus der Jugend kommen mit Jarne Gerdau, Jan Schröder und Marius Brandt drei talentierte Spieler. Wie schnell sie den Übergang vom Jugend- in den Herrenbereich schaffen, muss man abwarten. Das Potenzial ist aber bei allen vorhanden. Darüber hinaus werden wir aber sicherlich auch noch den ein oder anderen externen Neuzugang begrüßen. Spruchreif ist hier aber noch nichts.

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