Mittwoch, 08. Dezember 2021

Bis zum Schluss mit Freude dabei

Rotenburg. Er ist seit 15 Jahren im Amt, fast so lange wie die Kanzlerin. Doch ist die Vorfreude auf den Abschied bei Landrat Hermann Luttmann offenbar weniger ausgeprägt. Spuren von Amtsmüdigkeit lässt er jedenfalls nicht erkennen. Im Gegenteil: Er hätte sich durchaus eine dritte Amtszeit vorstellen können.

Ohne Sakko? Nur ungern. Vor dem Foto am Schreibtisch ist er auch nur mit Mühe davon abzubringen, die Akten beiseite zu räumen. Sein Bild in der Öffentlichkeit ist Hermann Luttmann bis zum letzten Tag wichtig. Er ist auf dem Sprung in den Ruhestand und räumt am Monatsende sein Büro im Kreishaus für Nachfolger Marco Prietz. Zu diesem Zeitpunkt müsste es ihn wenig kümmern, wie er auf einem Foto wirkt. Was die Presse schreibt, wäre anderen in seiner Situation wahrscheinlich auch herzlich egal. Doch Hermann Luttmann fühlt sich wohler, wenn seine Pressesprecherin als Zeugin beim Gespräch dabei ist.

Misstrauen prägt sein Verhältnis zur regionalen Presse, das ist kein Geheimnis. Immer wieder mal hat er sich in der Berichterstattung ungerecht behandelt gefühlt. Etwa damals, als er die Umstrukturierung des Rettungsdienstes verteidigte, während Bürger dagegen auf die Barrikaden gingen. Luttmann selbst spricht von „kritischer Distanz zu Medien“. Anderen falle Öffentlichkeitsarbeit leichter, hat er neulich in einem Interview eingeräumt.

Unerträglich scheint sie ihm aber auch nicht zu sein. Sonst würde er sich wohl mehr nach der Pension sehnen. Das Gegenteil ist jedoch der Fall. Wäre er jünger – Luttmann hat gerade seinen 64. Geburtstag gefeiert –, dann hätte er gerne noch weitergemacht und dafür auch einen weiteren Wahlkampf in Kauf genommen.

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