Sonntag, 14. April 2024

Wie Bremervördes Handballer den Löwen die Beute entreißen

Von Michael Brinkmann

Der TSV Bremervörde bleibt die Mannschaft der Stunde. Nach den Erfolgen bei Fredenbeck II und gegen Wilhelmshaven II hat der Handball-Verbandsligist jetzt auch das Spitzenspiel gewonnen. Die Grün-Roten setzten sich in einer bis zur Schlusssirene spannenden Partie mit 29:30 (17:16) beim Tabellenführer HSG Hunte-Aue Löwen durch und gönnten sich nach ihrem „Beutezug in Barnstorf“ eine Siegerparty bis in die Morgenstunden.

Nach dem Schlusspfiff gab‘s kein Halten mehr. Von wenigen mitgereisten Fans bejubelt, rissen Spieler, Trainer und Betreuer die Arme nach oben, hüpften wild im Kreis und schrien ihr Handball-Glück in die Welt. In einem packenden Topspiel, das vor allem vom Kampf und der Leidenschaft und weniger von handballerischer Finesse lebte, hatte sich der TSV Bremervörde auswärts mit 30:29 durchgesetzt. Ein von den Gästen angesichts der schwierigen Personalsituation durchaus als Überraschung gewerteter Erfolg. „Ich liebe diese Jungs“, sagte ein von den Emotionen völlig gepackter Trainer Adnan Salkic. „Es ist einfach der Wahnsinn, wie sie Woche für Woche noch eins draufsetzen und trotz aller Personalsorgen an sich glauben. Wir haben mit Herz, Wille, Einsatz, Tempo und Köpfchen gewonnen. Ich bin einfach nur stolz auf uns Löwen von der Oste“, meinte der TSV-Coach direkt nach Abpfiff zur BZ.
Dessen Mannschaft, die nicht nur zu Beginn ein schnelles 0:3 (5.) wettmachte, sondern über die gesamte Spielzeit Rückstände immer wieder ausglich, 60 Minuten auf Tempohandball setzte und die Gastgeber mit dem hinten wie vorne stark spielenden Hannes Meinke als vorgezogenen Spieler mit einer 5:1-Abwehr große Probleme bereitete, ist in der Tabelle bis auf einen Punkt an die Hunte-Aue Löwen herangerückt. Vier Klubs liegen acht Spieltage vor Schluss nahezu gleich auf.
Die Bremervörder können sich jetzt knapp 14 Tagen von der kräftezehrenden Partie erholen, ehe am 9. März das Heimspiel gegen den Tabellenvierten HSG Grüppenbühren/Bookholzberg auf dem Programm steht. „Mit hoffentlich ganz vielen Fans im Rücken“, so der Wunsch von TSV-Linksaußen Lars von Kamp, dessen Team dann – zumindest für eine Nacht – sogar die Tabellenführung übernehmen könnte.
Von Kamp konnte am Freitag die Gratulationen einiger seiner Ex-Kollegen entgegennehmen, hatte er doch während seines Studiums in Vechta zwei Jahre für die Hunte-Aue Löwen gespielt. Und ausgerechnet „Maschine“, wie er auch in Barnstorf genannt wird, war es, der am Freitag das letztlich entscheidende Tor erzielte. In einer hektischen und zerfahrenen Schlussphase, in der zunächst Justin Saul, Felix Weber und zweimal David Lüer aus einem 26:24 der Löwen ein 26:28 für den TSV gemacht hatten, luchste Lars von Kamp beim Stand von 28:29 seinem Gegenspieler clever den Ball ab und traf per Gegenstoß zum 28:30 – knapp eineinhalb Minuten vor dem Ende. Die Hunte-Aue Löwen, die ein ums andere Mal Entscheidungen der Schiedsrichter Ammermann/Henne kritisierten, verkürzten im Gegenzug durch ihren besten Werfer Nikola Stankovic (8 Tore) noch einmal auf 29:30. Ein Remis wie beim 29:29 im Hinspiel bahnte sich an. Die Bremervörder spielten in den verbleibenden Sekunden aber abgezockt im Angriff. Der Tabellenführer kam einfach nicht mehr an den Ball, die Sekunden verrannen, bis die Schlusssirene die Grün-Rote-Siegerfete einläutete. Und die wurde später im Partykeller des Trainers fortgesetzt…
TSV: Steffen Krange; Lars von Kamp (7/3), Jannes Hollstein (3), Cedrick Dietrich, Hannes Meinke (4), David Lüer (7), Justin Saul (3), Felix Weber (4), David Meinke (2), Noel Duhme, Jan-Philip Holst, Niklas Hollstein (alle n.e.).
Tore HSG: Beljic (2), Boskovic (2), Pishchukhin (5), Lengauer (3), Stankovic (8), Ivankovic (4), Abram (1/1), Stoijisavljevic (4).

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